Alexander Lonquich
Klavier

Rezensionen

Alexander Lonquich

DRESDNER MUSIKFESTSPIELE 2018

Alexander Lonquich, Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

Im Bann des Originalklangs
Zuerst kam bei Robert Schumann meist das Klavier. Als Spieler ruinierte er sich durch exzessives Üben mit einer Fleißmaschine zwei Finger seiner rechten Hand. Als nicht minder fleißiger Komponist rückte er von dieser Haltung nicht ab. Davon kündet sein berühmtes Klavierkonzert a-Moll, das 1845 in Dresden von Clara Schumann uraufgeführt wurde und das ebenda am Sonntag im Kulturpalast wieder zu hören war. Das wäre keine Besonderheit – wäre da nicht Alexander Lonquich aufgetreten mit seinem erfrischend drängenden Spiel an einem „Originalklang“-Instrument, einem Hammerflügel aus dem Hause Blüthner von 1856. Und wäre da nicht das Orchestre des Champs-Élysées unter Philippe Herreweghe gewesen, das sich nicht nur auf die Musik zwischen 1750 und dem beginnenden 20. Jahrhundert spezialisiert hat, sondern die instrumentale Praxis jenes Zeitraums mit bedenkt. Ihr Anteil war ebenbürtig am neuen Zauber, den dieser Schumann entfachte.
Schon die Einleitung ließ einen anderen Tonfall und eine neue Balance zwischen Orchester und Solo hören. Optisch hebt sich der Flügel aus edlem Holze samt Hocker wohltuend vom Einheitsglanzschwarz ab. Und die Musik, die Lonquich dem Instrument entlockte, fühlte sich im hellen, direkten, fast surrenden Klang unmittelbarer an. Es war eine gesunde Härte, die Konturen schärfte und das passagenreiche Spiel des Solisten nach vorn holte. Dabei ließ Herreweghe sein Orchester keineswegs zurückhaltend musizieren. Nur eben schlanker, ohne Vibrato, ohne romantische Patina. Die Soli betörten, das volle Orchester gab ein fein nuanciertes Klangbild von berückender Klarheit ab.
Der Solist bedankte sich mit zwei Fantasiestücken. Und unter dem Jubel des Publikums hätte es weitergehen können. Lonquichs aufgeraute Art zu spielen und dieses bezaubernde Instrument fügten sich glücklich. Selten schien Schumann so nahe.

Karsten Blüthgen - Sächsische Zeitung, Dienstag, 29.05.2018

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