Orchester Wiener Akademie
Dirigent: Martin Haselböck

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CD-Rezensionen

Orchester Wiener Akademie

TONART | Beitrag vom 05.06.2015
Deutschlandradio ©

"Re-Sound Beethoven"
Vitale und vollblütige Interpretationen


Von Gerald Felber

"Re-Sound Beethoven" ist Beethoven pur, im wahren Wortsinne: Die Aufführungen und CDs sind ein historisch orientiertes Klangerlebnis mit den Instrumenten und Spielweisen wie zu Zeiten des Klassikers. Etwas ganz Besonderes für Puristen.

Martin Haselböck: Organist, Dirigent, Theaterproduzent und vor 30 Jahren auch Begründer des Orchesters Wiener Akademie, mit dem er seither schon viele aufregende Projekte abgewickelt hat. Nun aber gibt es sogar für ihn und seine Musiker noch einmal etwas völlig Neues.
"Re-Sound Beethoven", das meint ein historisch orientiertes Klangerlebnis, das nicht nur die Instrumente und Spielweisen zu Zeiten des Klassikers berücksichtigt, sondern auch die räumlichen Umstände früher oder idealer Weise sogar der allerersten Aufführungen.
Und dennoch kann man selbst bei den endlos hin- und herinterpretierten Beethoven-Sinfonien Neues wollen und versuchen, ohne dabei in falschen Dogmatismus zu verfallen. Haselböck und sein Ensemble haben für diese Herangehensweise den denkbar besten Unterstützer – den Komponisten selbst.

Die ersten beiden Sinfonien sind bereits erschienen

Der Große Musikvereinssaal, Heimstatt zum Beispiel der Wiener Philharmoniker, ist auch die Stammspielstätte der Wiener Akademie. Und wenn es nun von diesem eher romantisch-weichklanglich geprägten Raum in ganz andere Umfelder geht, dann ändert sich nicht nur für die Ohren, sondern auch im Gesamterlebnis manches – zumal bei einem Spektakel wie beispielsweise der eher berüchtigten als berühmten Schlachtensinfonie Beethovens. Martin Haselböcks Beschreibung der – in diesem Falle noch bevorstehenden – Aufführung darf man da durchaus schon einiges Vorab-Gaudium entnehmen.
Erklungen aber ist beispielsweise schon die "Eroica", und zwar in zwei verschiedenen Sälen mit grundlegend differierenden Besetzungen: der kleinen, nur reichlich 30 Musiker (und übrigens auch entsprechend wenige Zuhörer) umfassenden der Subskriptions-Uraufführung und dann jener der Folgeaufführungen mit der mehr als doppelten Anzahl von Mitwirkenden.
Bereits erschienen sind die beiden ersten Sinfonien, eingespielt im fast kirchenhalligen Landhaussaal des Palais Niederösterreich, einem bis heute auch optisch mitreißendem Barockraum, wo Beethoven zu Lebzeiten alle seine Sinfonien dirigiert oder zumindest gehört hat. Weil sich aber der Raumeindruck auf einer CD naturgemäß zwar durchaus klangprofilierend, aber eher indirekt niederschlägt, macht es umso mehr Spaß, festzustellen, dass die Interpretationen Martin Haselböcks und seines Orchesters Wiener Akademie auch unabhängig von solchen äußeren Faktoren kraftvoll zupackend, vital und vollblütig daherkommen.

www.deutschlandradiokultur.de/re-sound-beethoven-vitale-und-vollbluetige-interpretationen.2177.de.html?dram:article_id=321780





Liszt: Dante-Sinfonie & Evocation à la Chapelle Sixtine
Orchester Wiener Akademie / Chorus Sine Nomine / Martin Haselböck
Label: nca


Unter den Orchesterkomponisten des 19. Jahrhunderts hat Franz Liszt bislang mit Abstand den schlechtesten Ruf. Auch wenn der Vorwurf, Liszts Assistenten hätten den größten Teil der Orchestrierungsarbeit erledigt, mittlerweile vom Tisch ist, vermitteln die meisten Aufnahmen seiner sinfonischen Dichtungen (Masur, Haitink) eher den Eindruck pauschaler Aufgeregtheit ohne zwingende dramatische Zielrichtung. Insofern ist Martin Haselböcks Aufnahme der "Dante-Sinfonie" auf historischen Instrumenten eine kleine Sensation. Zeigt sie doch, dass Liszt durchaus phantasievoll und suggestiv mit dem Klang eines Sinfonieorchesters umgehen konnte und dass er in Paris viel von Berlioz gelernt hatte. Haselböcks Wiener Akademie ist nur wenig größer als die Weimarer Hofkapelle, die Liszt zur Verfügung stand: Der Klang bleibt immer schlank und besitzt für jede dramatische Situation der "Divina Commedia" eigene Farben. Schon beim spektakulären Beginn mit der Höllenfahrt zeigt sich, wie viel das Stück gewinnt, wenn man tatsächlich alle Instrumente hört und beispielsweise die Posaunen nicht die grundierenden tiefen Streicher verdecken, die die Szene in ein fahles Licht tauchen. Das ist freilich nur das Grundmaterial für eine Interpretation, die das Stück in jedem Augenblick mit Ausdruck erfüllt, die jeder Phrase einen Charakter und damit dem Ganzen eine ungeahnte erzählerische Dichte gibt. So gespielt, könnte sich das bislang im Schatten der "Faust-Sinfonie" stehende Dante-Opus auch im Repertoire durchsetzen. Die Entdeckung des Orchesterkomponisten Liszt hat begonnen.

Rondo, Jörg Königsdorf, 28.05.2011

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Ohne Eisenhammer

Das ist mehr als eine Ehrenrettung: Liszts nicht vollkommen gelungene „Dante“-Sinfonie auf Instrumenten, die einst sein Orchester in Weimar benutzte. Im Gegensatz zu manch berühmterem Ensemble klingen hier die Originalinstrumente nicht schrill und blechern, sondern herrlich warm - beste Wiener Tradition sozusagen. Man entdeckt in jedem Takt neue Töne, Farben, Mixturen. Dantes „Inferno“ bedeutet nicht automatisch Eisenhammer, es bringt den Hörer auch mit Dezenz zur Strecke. Noch überzeugender: die selten zu erlebende „Evocation à la Chapelle Sixtine“ aus Liszts frühen römischen Jahren. Sicher eine der faszinierendsten Aufnahmen im Jubiläumsjahr 2011. Fortsetzungen sollen folgen. (VT)

concerti, Volker Tarnow, April 2011

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Es ist noch keine drei CDs her, da durfte (musste) der Rezensent eine Einspielung Liszt’scher Werke besprechen und konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es im Schaffen des großen Komponisten und Pianisten wohl doch einige Stücke gibt, die vielleicht nicht ganz ohne Grund solange nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben. Und dann dieses: Eine geradezu umwerfende Einspielung von Liszts Dante Sinfonie (nach der „Divina Comedia“) und der Evocation à la Chapelle sixtine mit der Wiener Orchester Akademie und dem Chorus sine nomine unter Martin Haselböck. Fast 60 Minuten zwingt einen förmlich diese Einspielung gebannt und mit großen Ohren vor dem CD-Player zu sitzen und alles um sich herum zu vergessen. Dieses Erlebnis wird umso stärker, da man dies ohne inhaltliche Beschäftigung mit Dantes „Comedia“ und dem Kompositionshintergrund der Evocation erleben kann (so ging es mir jedenfalls). Das Studium des aufwändig und sehr gut gemachten Booklets erweitert den Horizont dann noch einmal beträchtlich. Der Chorklang ist 1a – warum singen Chöre nicht immer so? Und der Orchesterklang: stets engagiert, auf der vorderen Stuhlkante sitzend gespielt, feurig und dabei nie die Textur der Komposition zudeckend – transparente Spätromantik ohne das „Alte-Musik-Flair".- so müsste man einmal Wagner hören dürfen!! Gratulation!

Klassik-heute.de Frank Höndgen, 28.03.2011

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Ein Paukenschlag zum Liszt-Jahr: die monumentale Programm-Sinfonie nach Dantes "Göttlicher Komödie" und die (meines Wissens erste) Aufnahme der "Évocation", in der Liszt Allegris "Miserere" und Mozarts "Ave verum" zu einer beinahe impressionistischen Orchester-Skizze verwoben hat. Die Produktion entstand im neuen Franz Liszt-Konzertsaal in Raiding, dem burgenländischen Geburtsort des Komponisten. Das exzellente Orchester Wiener Akademie spielt mit scharf akzentuiertem, trotzdem - vor allem in den Holzbläsern - wunderbar warmen Klang der histprischen Aufführungspraxis; und dass Martin Haselböck ein Liszt-Interpret par excellence ist, hat er bereits mit seiner großartigen Gesamtaufnahme der Orgelwerke für das Label bewiesen.
Schon nach den ersten Takten des "Inferno"-Satzes der Dante-Sinfonie versteht man, weshalb Schumann, Brahms & Co. solche Angst vor Liszt und der "Zukunftsmusik" hatten: Das Stück ist von einer derart radikalen, bestürzenden Modernität, dass man es gut und gerne 50 Jahre nach seiner Enstehung (1855) einordnen könnte. Haselböck vermeidet das Pathos, in dem sich andere Aufnahmen verirren. So klingt auch das abschließende Magnificat mit seinen Harfen-Arpeggien und der Dreiklangs-Seligkeit hier plötzlich gar nicht mehr kitschig, sondern schlank und transparent, geradewegs dem Paradies entgegen. Auch die hervorragende Technik und das ausführliche Booklet verdienen Bestnoten. Eine Referenz-Aufnahme, die das immer noch unterschätzte Meisterwerk Liszts ins rechte Licht rückt: kompromisslos und mitreißend.

Musik: **********
Klang: **********

Stereoplay, Michael Stegemann, 1. Mai 2011


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