Orchester Wiener Akademie
Dirigent: Martin Haselböck

http://www.wienerakademie.at

Rezensionen

der Konzerte und CD-Einspielungen

Orchester Wiener Akademie

Kissinger Sommer 2015

Die Wiener Akademie ließ die Klangfarben der Klassik wieder aufleben.



Franz Schuberts große C-Dur-Sinfonie Nummer 8 in der historisch orientierten Spielweise der Wiener war der Abschluss des Konzertes. Denn vieles konnte man durch die gedeckten Klangfarben der Streicher und der Naturblasinstrumente völlig neu hören. Da wurde nicht krachend musiziert wie mit modernen Instrumenten, sondern da ging es um Differenzierungen des Leisen, um Klangfarbenkontraste, um Rhythmisierungen - der Paukist mit seinen zwei Pauken und seinen zwei Schlegeln spielte da eine herausragende Rolle. Da wurde man geradezu gezwungen, zuzuhören. Aber genau das machte großen Spaß. Der lange Beifall zeigte, dass die Konzeption angekommen war.

Thomas Ahnert, Fränkischer Tag, 19. Juli 2015

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Philharmonie Essen 2015

Im satten Barocksound, aber federnd und durchsichtig, fanden Orgel und Orchester in Händels Konzert op.7 Nr.1 zu facettenreichen Musizieren, während Carl Philipp Emanuel Bachs G-Dur Konzert ganz den empfindsamen Stil atmete, bei dem die Orgel quasi als Orchesterinstrument die Bläserfarbe einbrachte. Musikalische Anmut verströmten daneben drei Kirchensonaten – kurze Preziosen, die Mozart für den Salzburger Dom geschrieben hatte. Amüsanter Kehraus: Haydns Sinfonie Nr. 60, die das Orchester nicht als Routine, sondern als Herausforderung verstand und mit Spielkultur, Verve und Witz adelte.

Klaus Albrecht, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Essen, 5. Mai 2015

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Beethovenfest Bonn 2014 /Beethoven - Symphonie Nr. 8

Dirigent Martin Haselböck, der Gründer der Wiener Akademie, ließ dem musikalischen Geschehen freien und meist schnellen Lauf, hatte dabei sicheren Blick für Pointen und kluge Übergänge. Das alles klang luftig, farbenreich und gut ausbalanciert, nicht nur in den frischen Außensätzen, sondern auch im mit charmanter Hartnäckigkeit genommenen Allegretto und im schön rustikal musizierten "Tempo di Menuetto".

Ulrich Bumann, General-Anzeiger Bonn, 4. Oktober 2014

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TONART | Beitrag vom 05.06.2015

"Re-Sound Beethoven"
Vitale und vollblütige Interpretationen


Von Gerald Felber, Deutschlandradio © 2015

"Re-Sound Beethoven" ist Beethoven pur, im wahren Wortsinne: Die Aufführungen und CDs sind ein historisch orientiertes Klangerlebnis mit den Instrumenten und Spielweisen wie zu Zeiten des Klassikers. Etwas ganz Besonderes für Puristen.

Martin Haselböck: Organist, Dirigent, Theaterproduzent und vor 30 Jahren auch Begründer des Orchesters Wiener Akademie, mit dem er seither schon viele aufregende Projekte abgewickelt hat. Nun aber gibt es sogar für ihn und seine Musiker noch einmal etwas völlig Neues.
"Re-Sound Beethoven", das meint ein historisch orientiertes Klangerlebnis, das nicht nur die Instrumente und Spielweisen zu Zeiten des Klassikers berücksichtigt, sondern auch die räumlichen Umstände früher oder idealer Weise sogar der allerersten Aufführungen.
Und dennoch kann man selbst bei den endlos hin- und herinterpretierten Beethoven-Sinfonien Neues wollen und versuchen, ohne dabei in falschen Dogmatismus zu verfallen. Haselböck und sein Ensemble haben für diese Herangehensweise den denkbar besten Unterstützer – den Komponisten selbst.

Die ersten beiden Sinfonien sind bereits erschienen

Der Große Musikvereinssaal, Heimstatt zum Beispiel der Wiener Philharmoniker, ist auch die Stammspielstätte der Wiener Akademie. Und wenn es nun von diesem eher romantisch-weichklanglich geprägten Raum in ganz andere Umfelder geht, dann ändert sich nicht nur für die Ohren, sondern auch im Gesamterlebnis manches – zumal bei einem Spektakel wie beispielsweise der eher berüchtigten als berühmten Schlachtensinfonie Beethovens. Martin Haselböcks Beschreibung der – in diesem Falle noch bevorstehenden – Aufführung darf man da durchaus schon einiges Vorab-Gaudium entnehmen.
Erklungen aber ist beispielsweise schon die "Eroica", und zwar in zwei verschiedenen Sälen mit grundlegend differierenden Besetzungen: der kleinen, nur reichlich 30 Musiker (und übrigens auch entsprechend wenige Zuhörer) umfassenden der Subskriptions-Uraufführung und dann jener der Folgeaufführungen mit der mehr als doppelten Anzahl von Mitwirkenden.

Bereits erschienen sind die beiden ersten Sinfonien, eingespielt im fast kirchenhalligen Landhaussaal des Palais Niederösterreich, einem bis heute auch optisch mitreißendem Barockraum, wo Beethoven zu Lebzeiten alle seine Sinfonien dirigiert oder zumindest gehört hat. Weil sich aber der Raumeindruck auf einer CD naturgemäß zwar durchaus klangprofilierend, aber eher indirekt niederschlägt, macht es umso mehr Spaß, festzustellen, dass die Interpretationen Martin Haselböcks und seines Orchesters Wiener Akademie auch unabhängig von solchen äußeren Faktoren kraftvoll zupackend, vital und vollblütig daherkommen.

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John Malkovich / Martin Haselböck / Wiener Akademie - „Being Jack Unterweger“

Es geht alles ganz schnell. Ein paar Sätze, ein paar Gesten, ein paar Blicke. Und da ist er schon: John Malkovichs Jack Unterweger. Der Killer als Plaudertasche ist eine beunruhigende Figur: Fahrig, schmeichlerisch, angeberisch, mit einem kaum verborgenen, stetig schwelenden Unterton absoluter Unbeherrschtheit. Er spricht mittelmäßiges Englisch mit einem starken österreichischen Tonfall und erlaubt sich gleich eingangs - er weiß, was er seinem Publikum schuldet - ein, zwei wohlfeile Scherze über Arnold Schwarzeneggers Akzent.

Die ganze Wahrheit

Der Jack Unterweger, den Hollywoodstar John Malkovich da auf der Bühne des Wiener "Ronacher" spielt, ist auf PR-Reise für sein neues Buch. Postum, gleichsam direkt aus dem Jenseits, wirbt der österreichische Serienmörder für seine Memoiren. Er stellt die ganze Wahrheit über sich selbst, Jack Unterweger - Prostituiertenmörder, Society-Liebling, Knast-Dichter, Journalist und Selbstmörder -, in Aussicht. Natürlich weiß er um den Voyeurismus seines Publikums, um seine legendäre Wirkung auf Frauen mit Helfersyndrom, um seine Rolle als aus Gosse und Häf'n aufgestiegener Liebling der Intellektuellen Österreichs, die sich erst für seine Amnestierung einsetzten, um dann zu erfahren, dass ihr begnadigter Freigänger sich alsbald zu elf weiteren Morden in Österreich, Kalifornien und Tschechien aufgeschwungen hatte. 1994, unmittelbar nach der - erneuten - Verurteilung zu lebenslänglicher Haft, erhängte sich Unterweger in seiner Grazer Gefängniszelle.

Auf der Ronacher-Bühne ist Unterweger, der bis heute als Paradebeispiel für fehlgeleitete, missverstandene Resozialisierung gilt, ein Mann in einem weißen, zerknautschten Leinenanzug, einem schwarzen Hemd mit Punkten und schwarzer Fliegerbrille. Malkovich inszeniert ihn als eine dieser auf den ersten Blick lachhaften Männer-Figuren, die auf den zweiten durch ungebrochene Selbstbezogenheit und gierige Sehnsucht nach Wirkung auch tatsächlich intensive Wirkung entfalten. Sein Jack Unterweger ist dicklich und stillos, aber er hat Sex-Appeal, unübersehbar, und zwar von der unheimlichen Sorte. Natürlich denkt man sofort an den grausamen, hochmütigen Verführer Valmont aus Laclos' "Gefährliche Liebschaften", den John Malkovich in der Verfilmung von 1988 so unvergesslich abstoßend spielte.

Wie damals befindet sich Malkovich in gewisser Weise auch jetzt bei der Wiener Premiere von "The Infernal Comedy. Confessions of a Serial Killer" in einem barocken Ambiente. Denn Unterwegers Geschichte ist eingebettet in ein Musiktheaterstück für Barockorchester, zwei Soprane und einen Schauspieler. Die beiden Sopranistinnen Laura Aikin und Aleksandra Zamojska singen Arien und Szenen aus Opern von Mozart, Haydn, Vivaldi, Beethoven und Weber. Dazu ist das famose österreichische Originalklang-Orchester "Wiener Akademie" im Einsatz - unter seinem Gründer und Dirigenten Martin Haselböck, von dem auch die Idee zu diesem ungewöhnlichen komödiantischen Musiktheaterstück aus Schauspiel, Gesang und Musik stammt.

Die Musik untermalt Malkovichs Monologe, die Arien flankieren und ergänzen sie. Aikin und Zamojska sind beide wunderbar klar und anrührend in ihrem Gesang. Aikin zudem zwischendurch, von Malkovich bedrängt, noch komödiantisch schrill. Beide spielen - vielmehr singen - die Frauen in Unterwegers Leben: Liebende, Trauernde, Geschundene, Hoffende, Enttäuschte und natürlich auch Ermordete. "Ah perfido!" klagt Zamojska mit Beethoven, "Ah, lo prevedi" sieht Aikin mit Mozart das Unheil des nahenden Unterweger-Untergangs voraus. Malkovich interagiert mit Sängerinnen und Orchester: Der Kontrast zwischen seinem subtilen Schauspiel der kleinen Bewegungen, Blicke und Nuancen und dem großen, pathetisch-dramatischen Opern-Gesten-Repertoire der Sängerinnen könnte sich spießen, tut es aber nicht - im Gegenteil: Der Kontrast verstärkt das Künstliche, das Unfassbare und Farcenhafte der Unterweger-Chronik und streicht den feinen Spott, mit dem Malkovichs Jack Unterweger sich über die Hochkultur lustig macht, nur noch stärker heraus.

Die Wildheit der Musik

Mit einem Wort, die ganze Sache, die man zunächst so schwer verbinden zu können glaubt - nämlich Jack Unterwegers Geschichte mit einem Barockorchester oder zwei Sopranistinnen mit einem monologisierenden John Malkovich - all das entpuppt sich in dieser Inszenierung als originelles, gelungenes Ganzes. Orthodoxen wird die Musikzusammenstellung vielleicht wüst erscheinen. Doch tatsächlich ist sie wunderbar und funktioniert als assoziationsgeleitete Ergänzung zum übrigens hervorragend bitter-bösen Sprechtext von Regisseur Michael Sturminger sehr gut.

Frankfurter Rundschau, Julia Kosbach, 2. Juli 2009

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