Clemens Hagen
Cello

Rezensionen

Clemens Hagen


NEUE CD:
Haydn: Cellokonzert Nr.1 C-Dur Hob.VIIB:1
(+ Mozart: Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364)
1B1, Clemens Hagen, Violoncello

SIMAX classics CD PSC 1351

Unter dem nach Schulklasse klingenden Kürzel 1B1 findet man im Internet Elektrotechnik Artikel – Bildfrontplatten, Dampflokomotiven Achsfolgen, aber auch ein seit dem Jahr 2008 existierendes Streicherensemble aus Norwegen. Es vereint Musiker, die an der Universität von Stavanger unterrichten, ihre besten Schüler und Mitglieder des Stavanger Symphony Orchesters. Die erste Geige spielt dort nicht nur im Orchester Jan Bjøranger, der auch als Solist auf der 2016 in der Stavanger Concert Hall entstandenen Neuaufnahme der Sinfonia concertante von W. A. Mozart zu erleben ist. Gemeinsam mit dem berühmten Cellokonzert in C-Dur von Joseph Haydn verschlägt es das innovative Ensemble mit der neuen CD ganz auf die klassische Seite ihres vielfältigen musikalischen Aktivitäten, die auch Kooperationen etwa mit den Komponisten Arvo Pärt, Steve Reich, aber auch dem Schlagzeuger von Wilco, Glenn Kotche, umfassen.

Das Spiel der 1B1 Musiker ist von höchster Präzision, transparent, ohne jeglichen Schleifer oder Larmoyanz, aber dennoch zu Legati befähigt. Der Klang ist hell, die Phrasierung geschmeidig. Der Zugriff der Streicher ist ausbalanciert zupackend, ihr Zusammenspiel lustvoll konzertierend, eher auf die Auslotung des Stimmengeflechts denn auf programmatisches Beiwerk konzentriert. Nichts ist exzentrisch, in Extreme gedehnt oder verkürzt, gewollt aufgeraut oder klanglich weichgespült. Gerade wegen dieser hoch musikantischen Seite gefällt mir das Spiel der 1B1. Vielleicht fehlt noch etwas der „Stallgeruch“, die eigene Duftmarke, die dem technisch mehr als perfekten Spiel noch die ganz spezifisch unverwechselbare Note verleiht.

Eine solche wiederum bringt das Salzburger Urgestein, Cellist Clemens Hagen mit seiner Stradivari aus dem Jahr 1698 eindrucksvoll mit. Er interpretiert das erst im Jahr1961in Prag wieder aufgefundene Haydn-Konzert nicht nur mit herausragendem Sinn für die akzentuiert flotten Sequenzen im ersten Satz, sondern auch mit untrüglichem Gespür für das Wiener Salonflair. Das Allegro Molto gerät zu einem launigen Konversationsstück voller Witz und tempovoller Rhetorik. Großartig sind die eigens für Hagen vom dänischen Komponisten Henning Kraggerud geschaffenen Kadenzen. Nicht zuletzt sind es ja die Kadenzen, die die Neuanschaffung eines Werks, das man vielleicht schon dreimal im Regal stehen hat, rechtfertigen. Es gibt ja etliche fantastische Aufnahmen des Haydn Konzertes, etwa mit Pieter Wispelway oder Jaqueline du Pré, die durch die Neuerscheinung sicher nicht entthront werden. Dennoch möchte ich eine Lanze für dieses hochinteressante und klanglich bestens eingefangene Album brechen, schon alleine des unvergleichlich elegant und individuell timbrierten sanglich differenzierten Spiels von Clemens Hagen wegen.

Bei Mozarts Sinfonia Concertante, KV 364, ist neben Jan Bjøranger auf der Violine der norwegische Bratschist Lars Anders Tomter zu hören. Erstaunlich auch, wie sehr das Ensemble 1B1 trotz eher „objektivem Klang“ offenbar ein spezifisches Gen für Mozart hat. Stupend gelingen die Gestaltung des emotionalen Wechselbads und das harmonische, beinahe symbiotische Zusammenspiel der Violine mit der höher gestimmten Viola. Da hat der Musikfreund die Qual der Wahl, sind ja gerade von diesem Meisterwerk Mozarts in den letzten Jahren mindestens zehn neue Einspielungen erschienen…

Der Merker, Dr. Ingobert Waltenberger, 30.09.2016

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Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Stefan Soltesz
Solist: Clemens Hagen
Robert Schumann - Konzert für Violoncello und Orchester a-moll op.129
Kurhaus Wiesbaden, Konzert am 6. Januar 2016


Viel Beifall hatte es bereits vor der Pause für den Solisten Clemens Hagen gegeben, der in der Region bisher vor allem im Rahmen von Gastspielen beim Rheingau Musik Festival zu hören war, in denen der gebürtige Salzburger als Cellist des Hagen Quartetts mitwirkte. Die Fähigkeiten eines sensiblen wie hoch aufmerksamen Kammermusikers kamen auch seiner Gestaltung des so lyrischen Konzertes für Violoncello und Orchester a-moll op.129 von Robert Schumann unbedingt zu Gute, dessen Interpretation bei aller klanglichen Delikatesse und weiträumigen Versponnenheit der Phrasierungen auch durch unbedingte Präzision begeisterte. Und durch die äußerst fein justierte Abstimmung mit dem Staatsorchester, das sich mit Stefan Soltesz über einen so leidenschaftlichen wie konzeptionell sicher arbeitenden Gastdirigenten freuen durfte.
Autor: Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier, 08.01.2016

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Sinfonieorchester Münster, Denis Vlasenko
Solist: Clemens Hagen
Dimitri Schostakowitsch - Collokonzert Nr.1 a-moll op.99
Theater Münster, Konzert am 12. Januar 2016


Hagen interpretierte seinen Part genau, konzentriert und ohne Eitelkeit, sich in den Dienst des Werkes stellend. Besonders im Moderato beeindruckte das Zusammenspiel von Solist, Orchester und Dirigent, als unerwartete harmonische Wendungen so geschmeidig gestaltet wurden, dass der Ablauf ganz natürlich wirkte. Der langsame Satz setzte dann ganz auf Virtuosität. Hagen, dessen Darbietung mit enthusiastischem Beifall quittiert wurde, sorgte zusätzlich noch mit einem nahegehenden Bachschen Cellosonaten-Satz für Begeisterung.
Autor: Elmar Schilling, Westfälische Nachrichten, 14.01.2016

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Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt
Solist: Clemens Hagen
Eröffnung des Musikfests 2009 im Konzerthaus Wien am 8. Mai 2009
Joseph Haydn - Cellokonzert Nr.1 C-Dur
mit Kadenzen von Georg Friedrich Haas


Wilhelm Sinkovicz berichtet dazu in DIE PRESSE am 10.05.2009:

Spannend die Auseinandersetzung mit dem Meistercellisten Clemens Hagen, der das C-Dur-Cellokonzert mit großer Lust an weit ausgreifenden, anschmiegsam modellierten melodischen Bögen musiziert, wie sie in den umrahmenden Symphonien so konsequent ausgespart blieben. (...)

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Heinz Rögl in MUSIC AUSTRIA berichtet dazu am 12.05.2009:

Wir schön man Haydns erst zwei Jahrhunderte später in Prag aufgefundenes Cellokonzert spielen kann, das bewies Clemens Hagen (nach etwas zu süßlicher Orchestereinleitung) vom ersten Takt seines Solo-Spiels an. Der Haydn-Forscher Harold Robbins-Landon vermutet, dass es Haydn bereits 1765 für Joseph Weigl, einen Cellisten der Esterházyschen Kapelle geschrieben hatte. Es ist in seiner Mischung auch spätbarocken und frühklassischen Elementen ein tolles Werk des Übergangs.

Und Clemens Hagen spielte es draufgängerisch, nicht sentimental und (im Mittelsatz) mit großer, nicht-süßer Lyrik. Haydns Musik wird da zu einem erlesenen Wein - oder (im Finale "Allegro con spirito", fast als "Presto" in Angriff genommen) eben auch zu einem perlenden "Sturm" erster Güte. Hochspannend die beiden auch mikrotonal und oberton-spektral organisierten, gar nicht lauten Haas-Kadenzen, wiewohl sie von einigen Kritikern als "zu wenig zum Werk passend" verunglimpft wurden. Wir meinen hingegen, dass Georg Friedrich Haas - ähnlich György Kurtàg - imstande ist, großer "alter" Musik staunend nach-zu-lauschen, ja nachzusinnen. Chapeau für diese große Wiedergabe.

Der Komponist GEORG FRIEDRICH HAAS über Clemens Hagen:

Nun ja, die Hagens, zumal der vortreffliche Cellist Clemens Hagen, kennen halt die "Haas-Intonation", Das hat auch Haas selbst im mica-Interview 2007 schon gesagt. Clemens Hagen, der auch der erste Solist meines Cellokonzerts war, hat mir später erzählt, sie verwenden den Ausdruck "Haas-Intonation", wenn sie romantische oder klassische Musik in reiner Intonation spielen. Es wurde ihnen also durch die Auseinandersetzung mit meinem Stück auch die Problematik bewusst gemacht, mit der sie in der anderen Musik auch zu tun haben. Meine große Hoffnung ist, dass das auch in den Orchestern verstanden wird, obwohl das dort durch die Gruppengrößen noch viel schwerer zu erreichen ist. Dass denen auch klar wird, dass ich genau mit dem arbeite, womit sie sich bei Schubert und Bruckner herumschlagen. Die Aufführungsqualität würde davon sehr profitieren.

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Salzburger Festspiele 2009 | Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst
Schumann: Cellokonzert


Wilhelm Sinkovicz in DIE PRESSE am 23.08.2009:

Es darf behauptet werden, eine solch kongeniale Wiedergabe von Schumanns Cellokonzert sei lange nicht, wenn überhaupt je da gewesen.

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Christoph Lindenbauer in DIE KLEINE ZEITUNG am 23.08.2009:

Clemens Hagen hat das komplizierte, lange Jahre wenig beliebte Cello-Konzert aus dem Jahr 1850 mit derartiger Leidenschaft angepackt, wie es überzeugender kaum vorstellbar ist. Hagen fand die Balance zwischen lyrischen Motiven und haarsträubend virtuosen Passagen, ging volles Risiko und gewann alles was mit Musik zu gewinnen ist: Die konzentrierte Aufmerksamkeit, die emotionale Offenheit und schließlich die herzliche Dankbarkeit seiner Zuhörer.

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Heidemarie Klabacher in DER STANDARD am 24.08.2009:

Anders kann man das spielen, besser aber nicht... ein fulminanter Auftakt.

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