Martin Rajna
Dirigent

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Rezensionen

Martin Rajna

Konzert des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt(Oder) im Nikolaisaal Potsdam - Oktober 2019

Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin
Béla Bartók: Klavierkonzert Nr. 3
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5

Schnellen Schritts eilt er aufs Podium, gönnt sich dort Sekunden der inneren Einkehr, was wiederum gespannte Erwartung beim Orchester und Publikum hervorruft. Man spürt: Da steht einer, der die Musik verinnerlicht hat. Jung ist er, 1995 in Budapest geboren, und hat dort am Bartok-Konservatorium, danach an der Franz-Liszt-Akademie die Taktschlägerei studiert. Im vorigen Jahr hat er sie mit dem Bachelor in der Tasche verlassen. Nun steht der Karriere des talentierten Martin Rajna nichts mehr im Wege.
Sein Deutschland-Debut absolvierte er beim Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt, das mit ihm und der ungarischen Pianistenlegende Dezsö Ránki am Samstag das 2. Sinfoniekonzert des Nikolaisaals bestritten hat. Dabei macht er den Musikern präzise zeichengeberische Ansagen, liebt die klare Klangkante und das Erforschen inhaltlicher Tiefenschichten und gesellschaftlicher Hintergründe. Wie vorab aus Musikerkreisen zu erfahren war, sei die Probenarbeit „sehr intensiv, anstrengend, aber auch beglückend“ gewesen. Wird das klangliche Ergebnis auch das Publikum überzeugen können?
Unaufwendig ist seine Zeichengebung bereits bei der einleitend erklingenden „La Tombeau de Couperin“-Suite von Maurice Ravel. Sie ist, wie der Name vermuten ließe, keine Trauerklage, sondern eine kapriziöse Hommage an die französische Musik des 18. Jahrhunderts. Und so findet sich in ihr kaum Ernstes noch Düsteres, obwohl der äußere Anlass das Gedenken an den Tod einiger seiner Freunde in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges war. Mit überbordender Klarheit, hellgetönt und quirlig lässt Rajna das „Prélude“ musizieren, durchsichtig und leicht die „Forlane“. Auch beim transparent bis gläsern ausgebreiteten „Menuet“ erweist sich der Sachwalter analytischen Charmes als ein akribischer Detailmodellierer und als ein Magier des Leisen. Dagegen wird der Forteausbruch im „Rigaudon“-Finale zum Ereignis.
Als solches erweist sich auch die Deutung von Bela Bartóks Klavierkonzert Nr. 3 mit dem ungarischen Pianisten Dezsö Ránki am Steinway-Flügel. Leicht und trillerreich, ja geradezu schwerelos beginnt der Kopfsatz, der idyllische Kindheitserinnerungen beschwört. Dann geht es ab ins Motorische, ins rhythmische Raffinement ungarischer Folklore. Mit seinem bestechend klaren und nuancierten Anschlag erweist sich der Pianist als ein müheloser Tastenarbeiter. Von der Hoffnung auf Heilung seiner schweren Krankheit erzählt der langsame, träumerisch verinnerlichte Mittelsatz, in dem Bartok sowohl Gott (per Bläserchoral) als auch die Natur (mit stilisierten Vogelrufen im Wettstreit von Klavier und Holzbläsern!) anruft. Manches davon erinnert an Beethovens „Dankgesang“ aus der „Pastorale“-Sinfonie. Von draufgängerischer Leidenschaft schier berstend und mit donnernden Oktavgängen des Pianisten reich versehen (der allerdings auch der filigranen Feinarbeit sehr zugetan ist) steigert sich das perfekte Zusammenspiel ins lebensbejahende Finale.
Wer allerdings bei der nach der Pause erklingenden 5. Sinfonie c-Moll op. 67 von Ludwig van Beethoven mit ihrem einprägsamen Tattatataaa-Thema ein traditionsbehaftetes Klangtableau erwartet, hat sich gründlich getäuscht. Stattdessen findet er sich in einer erfreulich detailgenauen konfliktwühlenden, kurz phrasierten, in Tempi und Dynamik extremen Deutung wieder, die der Dirigent mit körperbetontem Einsatz zusätzlich anstachelt. Der Jubel kennt fast keine Grenzen.

Peter Buske – Potsdamer Neueste Nachrichten – 14.10.2019

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