Concertgebouw Kammerorchester
Orchester

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Rezensionen

Concertgebouw Kammerorchester

"Seele an, Bühne frei"
Hoher Besuch: Das XVII. Laborkonzert mit dem Concertgebouw Kammerorchester Amsterdam

11.03.2019 – Märkische Oderzeitung MOZ

Frankfurt (Oder) "Telefone aus, Seele an, Bühne frei": So einfach können ungestörte Musikgenüsse gelingen. Formulierte jedenfalls Geschäftsführer Frank Berthold der IMD Labor Oderland zu Beginn des sehr gut besuchten 17. Laborkonzerts am Sonnabend in der Konzerthalle. Mit dem Viadrina-Museum veranstaltet, passte es ganz vorzüglich in das "Tradition und Aufbruch"-Motto der diesjährigen Festtage und hatte mit dem umjubelten Auftritt des Concertgebouw Kammerorchester Amsterdam einen seiner Höhepunkte. Es ist eine Solistenvereinigung von 19 Mitgliedern des 1888 gegründeten Koninklijk Concertgebouw Orkest, einem der renommiertesten Orchester der Welt. Von Tradition verstehen sie also eine Menge. Und so spannten sie einen Programmbogen vom barocken Johann Sebastian Bach über seinen vorklassischen Sohn Carl Philipp Emanuel und dessen Taufpaten Georg Philipp Telemann bis hin zum Romantiker Johannes Brahms, der Werke von Carl Philipp ediert hatte.
In einer Minivariante von zehn Stehstreichern plus Cembalo spielten sie unter konzertmeisterlicher Anleitung von Michael Waterman das 3. Brandenburgisches Konzert G-Dur BWV 1048 von Vater Bach. Und begeisterten sogleich mit königlichem Edelklang in weicher Tongebung, warm gedeckten Farben und purer Spielfreude fern akribischer Tüftelei. Dabei wetteiferten drei Gruppen aufs Fröhlichste und Rasanteste miteinander – der virtuosen Bravour schien kein Ende. Anstelle eines langsamen Mittelsatzes hatte Bach nur zwei Cembalo-Akkorde gesetzt und über dem letzten eine rauschhafte Kurzkadenz geschrieben. Schnelle Sechzehntelfiguren beendeten das Werk.
Leichtigkeit des Musizierens zeichnete auch die Wiedergabe des Konzerts für Violoncello, Streicher und Basso continuo von Carl Philipp Emanuel Bach aus, bei dem Ensemblesolist Fred Edelen in reizvolle und gemütsergötzende Wechselreden mit der erweiterten und sitzenden Streicherformation treten konnte. Im Gegensatz dazu stand der ausdrucksstark vorgetragene Largosatz, der einer schmerzvollen Entsagungsarie glich. Leidenschaftsbewegt zeigte sich das von Sturm und Drang durchwehte Finale. Taufpate Telemann steuerte mit seinem G-Dur-Konzert für Viola, Streicher und B.c. das wahrscheinlich älteste Werk seiner Gattung bei. Dabei wechselten zwei langsame mit zwei schnellen Sätzen – ganz dem Muster der Kirchensonate folgend. Frederik Boits entfachte einen sonoren, warmen, klangsatten und samtweich getönten Saitenglanz, vom Tutti gefühlvoll und zurückhaltend begleitet. Reichlich affektgeladene Intensität inklusive. In den schnellen Sätzen ging es fast durchweg heiter und sorglos zu. Nicht weniger klangvorzüglich, wie das Ensemble das bearbeitete 1. Streichsextett B-Dur von Brahms gestaltete. Für Glücksverstärkung sorgten auch die solistisch geführten Dialoge zwischen erster und zweiter Geige, Viola und Celli. Klänge wie süffiger Rotwein oder energisch geschärft – ein unvergesslicher musikalischer Laboraufenthalt.
Peter Buske

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DEUTSCHLAND-TOURNEE FRÜHJAHR 2016

STUTTGART, Liederhalle
SCHWEINFURT, Theater
BIETIGHEIM, Kronenzentrum
LUDWIGSHAFEN, BASF-Feierabenhaus
GÜTERSLOH, Theater

Werke von Leos Janácek, Antonin Dvorák, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Astor Piazzolla

(…) Zuvor hatten die vom Konzertmeister Tjeerd Top angeführten Musiker Leos Janáceks Suite für Streichorchester, ein frühes „Im alten Stil“-Werk des Komponisten, elegant aufgeführt; dazu die Bearbeitung von Dvoráks zwölftem Streichquartett, das „Amerikanische“, das nicht ganz so rustikal klang, wie es das Original sein kann; und Mendelssohns letzte Streicher-Sinfonie, wo klassisches Temperament hörbar wurde, altmodisch im besten Sinne. Und alle Werke klangen in den Registern perfekt verblendet, mit vollem, schimmerndem Ton, in den Bratschen nie ölig, sondern perlmuttsilbern. Kurz: Klangkultur seltener Natur. Großer Beifall im Beethovensaal.

Götz Thieme, Stuttgarter Zeitung, 2. März 2016

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Das Wichtigste freilich war die Intensität der Klangrede, die lebendige, höchst differenzierte Gestaltungsweise der Musiker aus Amsterdam. Mit ausgeprägtem Detailgespür exponierten sie plastisch Stimmungsnuancen, Feinheiten der Linienführung und delikate Farbtupfer.

Gabor Halasz, Rheinpfalz, 5. März 2016

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So leichtfüßig, so wild, so anders
Das Orchester steht bis auf die Cellisten und wiegt sich im Takt. Es gehört eine Menge Ehrgeiz und Spielfreude dazu, ein Klassik verwöhntes Publikum immer wieder neu hinter dem Ofen hervor zu holen. Das Amsterdamer Kammerorchester hat das Zeug dazu, und deutet oft nur an, was im Ohr von selbst nachklingt in atemberaubenden Tempi. Minutenlang dauert der Applaus nach dieser Sternstunde im Kronensaal.

Sussane Yvette Walter, Bietigheimer Zeitung, 4. März 2016

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Funken sprühend durch die Nacht
Unter der souveränen Leitung von Konzertmeister Tjeerd Top durfte man sich einem durchsichtigen und elastischen Ensembleklang hingeben, einem federleichten und absolut einheitlichen Musizieren der 19 Streicher. Satten Sound gab es hier ebenso wie edles und behutsames Musizieren. Janáceks Suite geriet zu einer miniaturengleichen Kostbarkeit; melodienreiches Schwelgen, kerniger Biss, springlebendiges und farbiges Musizieren auch bei Dvorák: Hier wurden Geschichten erzählt, bildhafte Assoziationen geweckt, zum Beispiel von einer fröhlichen Landpartie oder schwermütiger Naturstimmung.

Mainpost, 2. März 2016

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Stilsicherheit und Theatralik
Mit dem Concergebouw Kamerorkest hatte die BASF-Kulturabteilung am vergangenen Donnerstag zum letzten Mal in dieser Saison im Rahmen der Konzertreihe "The Big Four" ein wichtiges Kammerorchester ins Feierabendhaus nach Ludwigshafen eingeladen. In der heutigen Form seit 1987 aktiv und dem weltberühmten Concertgebouw Orkest angegliedert, wusste der ausschließlich aus Streichern bestehende und von Konzertmeister Tjeerd Top geleitete Klangkörper von Anfang an durch sein außerordentlich präzises, klanglich vielfältiges und vor allem in musikalischen Belangen stilsicheres Auftreten zu überzeugen.
Der zweite Teil des Konzerts, diesmal von allen Orchestermitgliedern im Sitzen musiziert, stand unter veränderten Vorzeichen und wurde durch eine Umsetzung von Felix Mendelssohn Bartholdys dreisätziger Streicher-Sinfonie Nr. 12 g-Moll (1823) eröffnet. Bewundernswert klar und prägnant gerieten dem Orchester die beiden von Fugenpassagen dominierten Rahmensätze, wobei der Kopfsatz zudem durch eine gewisse Strenge, verbunden mit zurückhaltender Vibratogebung, überzeugte. Dieser Schlankheit stand der geradezu verschwenderische Vibratoklang gegenüber, mit dem ein solistisches Streichquintett, häufig auch noch um die Bassstimmen reduziert, den solistisch besetzten Mittelsatz musizierte - eine Klangsituation, die als besonderer Kunstgriff auch im Finale noch zweimal in Gestalt kammermusikalischer Einsprengsel aufblitze.

Stefan Drees, klassik.com, 4. März 2016

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Die fließenden dynamischen Steigerungen bot das Streichorchester überzeugend und einfühlsam dar. Das Konzert wurde von einem bestens aufeinander abgestimmten Streichorchester getragen, das mit einem wunderbaren transparenten Klangbild beeindruckte.

Angelika Tiefenbacher, Ludwigsburg Kreiszeitung, 9. März 2016

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Mit Furiosem Finale
Das Orchester wird zum gleichberechtigten Partner der Geige und packt die perkussiven Begleitfiguren und hitzigen Glissandi locker und federnd an. Verdienter langer Beifall für die abwechslungsreichen Hörerlebnisse.

Mannheimer Morgen, 5. März 2016

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