Evgeni Koroliov
Klavier

DVD & CD-Rezensionen

Evgeni Koroliov

AKTUELLE VERÖFFENTLICHUNGEN:



CD - Beethoven-Sonaten op. 109, 110 und 111 - Evgeni Koroliov (Klavier) - Label: Tacet
"...delikat schillernde Lichtwerte ...berückende Klangschönheit ... Machtvolle Größe, düstere Abgründe und subtile Sinnlichkeit... Das ist musikalische Magie." (Miquel Cabruja, 01/15 steperoplay.de)

"Koroliovs Kraft der Versenkung schlägt den Hörer in den Bann." (Dr. Daniel Krause, 2.2.15, klaasik.com)

CD - Schubert-Sonaten G-Dur D 894 und A-Dur D 959 - Evgeni Koroliov (Klavier) - Label: Tacet
Preis der Deutschen Schallplattenkritik - Bestenliste
"Koroliovs Schubert-Interpretationen in dieser fünfzehnten Folge der ihm gewidmeten Tacet-Serie zwingen geradezu, einen genaueren Blick auf das als "Fantasie-Sonate" publizierte Wunderwerk in G-Dur (D 894) zu werfen. In befriedigender Einsamkeit scheint der Pianist seine Bahn zu ziehen, sobald er zu vertretbaren Resultaten gekommen ist, und gibt sich doch emotional zu erkennen im Einklang mit dem von ihm erarbeiteten Gang der musikalischen Dinge - ohne sich je in den künstlerischen "Wahlkampf" zu begeben, indem er mit diesem und jenem pianistischen Kunststück um Anerkennung bettelt. Koroliovs Wirken sollte nicht nur seinem Stammpublikum von Gewinn sein, sondern all jenen Musikfreunden, die sich intensiver mit den Klavierkompositionen Schuberts beschäftigen und sich im vergleichenden Hören immer wieder bereichert wissen". (Peter Cossé)

CD - Beethoven-Sonaten op. 101 + 106 "Hammerklavier" - Evgeni Koroliov (Klavier) - Label: Tacet
"Es gelingt ihm vom ersten Ton an, eine ungeheure Spannung zu erzeugen und damit den Zuhörer wahrhaft in seinen Bann zu ziehen, wie es heute längst nicht mehr alle Interpreten schaffen."
(Peter Büssers, www.klassik.com)

CD - Werke von Chopin - Evgeni Koroliov (Klavier) - Label: Tacet
Nachdem Evgeni Koroliov bereits eine CD mit Mazurken eingespielt hat, veröffentlichte Tacet eine 2. CD mit Werken von Chopin, auf der u.a. zu hören sind: Ballade Nr. 4, Scherzo Nr. 4, Barcarolle op. 60, Nocturnes, Impromptus 1-3.
"Eine der zauberhaftesten, berührendsten Chopin-Einspielungen der letzten Jahrzehnte!"
(Eckhard Weber, www.concerti.de)

CD - Werke von Bach, arrangiert von Kurtág, Liszt und Evgeni Koroliov - Label: Tacet
Evgeni Koroliov / Klavierduo Koroliov mit Ljupka Hadzigeorgieva
Die CD erhielt den Preis der Deutschen Schallplatten Kritik und hervorragenden Zuspruch in der Presse, zu lesen auf dieser Seite unter der Rubrik "CD-Rezensionen".

DVD - Bach: Goldberg-Variationen
Das Klassik-DVD-Label EuroArts hat beim Recital von Evgeni Koroliov im Rahmen des Bachfests Leipzig im Gewandhaus Bachs Goldberg-Variationen mitgeschnitten und veröffentlicht. Die DVD wurde gemeinsam mit dem Sender NHK Tokyo produziert, welcher das Konzert zudem im Fernsehen ausstrahlte. Sehen Sie hier den Trailer.
"This performance goes well beyond anything Gould ever managed." (John Terauds, The Toronto Star)


J.S. Bach: Goldberg-Variationen (DVD)

I laughed. I cried. Mostly, I listened, rapt, to German-based Russian pianist Koroliov as he unfurled the magical tapestry of the /Goldberg Variations/, written by Johann Sebastian Bach in 1742.

Koroliov has said that a childhood inspiration was hearing Glenn Gould play in Moscow in 1957. But this performance goes well beyond anything Gould ever managed. It's hard to imagine a more satisfying set of /Goldbergs/ than this extraordinary live performance from the Bach Festival in Leipzig last year.

The seduction happens on many levels: Koroliov's clear, unaffected articulation, absolute balance between both hands, mastery over the architectural progress of the 30 variations (plus opening and closing Aria) and a crystalline sound from the Hamburg Steinway.

Koroliov's rhythmic vitality and clever highlighting of inner voices illuminates this mathematical marvel: Bach's variations are as much an intellectual puzzle as they are beautiful music.

There is not much to see on the DVD, which leaves you free to close your eyes. I was lucky enough to watch the sun gild passing clouds outside my window and contemplate what a miracle it is to have 80 minutes of eternal beauty available to me on the DVD shelf.

The Toronto Star, John Terauds, 2.12.2008
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J.S. Bach: Chromatische Fantasie & Fuge BWV 903, Italienisches Konzert BWV 971, Französische Ouvertüre u.a.

"Das Koroliov-Jahr"

Es ist auch das Jahr des Evgeni Koroliov. Denn der Bach-Boom, gibt einem Pianisten eine Plattform, der zu den bedeutendsten seiner Zunft zählt, der aber erst jetzt jene Öffentlichkeit erlangt, die er verdient.

Seit mindestens 10 Jahren kann man wissen, welch fulminanter Bach-Interpret Koroliov ist. Denn 1990 veröffentlichte Tacet seine Sichtweise der „Kunst der Fuge“, die immerhin Györgi Ligeti als einzige Platte mit auf eine einsame Insel nehmen wollte. Es folgten – ebenfalls bei Tacet – hervorragende Aufnahmen von Tschaikowskys „Jahreszeiten“, Prokofieffs „Sarkasmen“, „Flüchtige Visionen“ u.a.. Doch erst seine Endet letzten Jahres in hänsslers Bach-Edition veröffentlichte Aufnahme der Goldberg-Variationen verschaffte dem Bach-Preisträger der Wettbewerbe in Leipzig und Toronto dank allgemeinem Kritikerlob den Durchbruch.

Ingo Harden hat in seiner vergleichenden Diskographie der Goldberg-Variationen die Einspielung Koroliovs so kommentiert: „In einer durch keinerlei Extravaganzen getrübten Form hat das Ideal sachlicher Werktreue kürzlich der Russe Evgeni Koroliov verwirklicht: großtönend, gewichtig und todernst, perfekt bis in den hintersten Winkel ausgeleuchtet, monumental, in seiner Art vollkommen“ Ähnliches lässt sich auch über die nun erschienenen Aufnahmen sagen, vor allem über Koroliovs hinreißende Darstellung des zweiten Teils der Klavierübungen. Der Virtuosität der Chromatischen Fantasie und Fuge in d-Moll bleibt der Professor der Hamburger Musikhochschule nicht schuldig, ohne ein übertriebenschnelles Tempo anzuschlagen. Die rhapsodischen Läufe der Fantasie unterteilt er klug, ohne sie artifiziell zu stilisieren. Wo Alfred Brendel mit spitzen Fingern artikuliert und das Klavier klanglich in die Nähe des Cembalos rückt, wählt Koroliov einen großen tragenden Flügel-Ton. In der Fuge kommt seine vielleicht größte Stärke zum Tragen: die Polyphonie der Musik optimal zu entschlüsseln und jeder Stimme ihr eigenes Gewichtung zu verleihen. Herrlich auch, wie er in der „Ouvertüre nach Französischer Art“ unaufdringlich, aber treffend den Charakter der einzelnen Tänze darstellt.

Das Koroliov Extreme meidet, verdeutlicht ein Vergleich seiner Einspielung des „Italienischen Konzertes“ mit der von Glenn Gould (Sony): Den ersten Satz nimmt Gould etwas gewichtiger, das Finale dafür deutlich schneller. Korliovs Einspielung wirkt ausgeglichener, ruht stärker in sich selbst. Wo Gould im Finale den Virtuosen hervorkehrt, lässt Koroliov die Finger laufen, aber nicht rasen. Bevorzugt Gould einen absolut trockenen Klang, besitzt die hänssler-CD mehr Räumlichkeit, klingt der Flügel runder; hier zeigt sich deutlich, dass der 1949 in Moskau geborene und dort ausgebildete Russe eben nicht allein von Gould, sondern auch von Sviatoslav Richter und Tatianna Nikolyeva geprägt ist.

Interpretation: *****
Klang: *****

Fono Forum, Gregor Willmes, 7/2000
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J.S. Bach: Das Wohltemperierte Klavier, Teil I

"...Seit der faszinierenden, wenn auch in ihrem romantisierenden Zugriff so heute nicht mehr möglichen Einspielung Edwin Fischers aus den 30er Jahren ist eine Reihe guter, zum Teil phänomenaler Gesamtaufnahmen auf dem Klavier entstanden, mit Glenn Gould oder Friedrich Gulda seien nur zwei davon erwähnt. Koroliov setzt diese große Interpretationstradition bruchlos fort, mit einem durchaus eigenständigen Ansatz, der zum einen auf glasklare Linien und Strukturen aus ist, Bach gleichsam unter das Vergrößerungsglas des Analytikers legt, der zum anderen und gleichzeitig aber einer durchaus romantisch angehauchten Haltung Raum gibt - für mich eine ideale Mischung von Herz und Kopf... Es ist an der Zeit, dass Koroliov endlich als einer der großen Bach-Interpreten, überhaupt als einer der wichtigen Pianisten unserer Zeit angemessen gewürdigt wird, sein Name ist sehr zu Unrecht viel zu wenig bekannt... Die phantastische Aufnahme ist bei TACET erschienen."

Bayrischer Rundfunk, Oswald Beaujean, 01.01.2001

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"... An analytischer Klarheit, Transparenz des Klangs bei fugierten Sätzen, kantabler Linienführung, rhythmischem Drive und praller Vitalität übertrifft diese Veröffentlichung sogar Friedrich Guldas wegweisende Aufnahme von 1972. Koroliov verfügt nicht nur über eine eminente Anschlagskultur, sondern auch über einen interpretatorischen Horizont, der sein makelloses Bach-Spiel stets ebenso vergeistigt wie sinnlich klingen lässt.. Die ... aufnahmetechnisch vorbildliche Produktion mit einem originell-poetischen Booklet-Text von Christoph Ullrich weist den mittlerweile fünfzigjährigen Pianisten einmal mehr als einen der bedeutendsten Bach-Interpreten unserer Zeit aus."

"Kultur", Werner M. Grimmel, 01.01.2001
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J.S. Bach: Das Wohltemperierte Klavier, Teil II

„Symbiotisch“

Diese Doppel-CD bestätigt den ausgezeichneten ruf des Interpreten und seines durchaus eigenen, modernen Bach-Spiel-Stils mit seinem facettenreichen Wechsel von analytischer Strenge und Behutsamkeit. Das hebt Koroliovs Bach weit über jene oftmals frustrierende Stilistik hinaus, mit der einstens Pianisten wie Carl Seemann eine - damals noch verständlich - Nachkriegssachlich- keit als Gegenstück zu den Ausläufern der romantischen Bach-Tradition pflegten. Koroliovs Bach hat einen weiterführenden, symbiotischen Charakter in seiner kontrastreichen, nie exzessiven Klarheit. Man fühlt sich hier nicht ausgeliefert, sondern angesprochen.

Interpretation: *****
Klang: *****

Fono Forum, 01/03

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Nachdem im Bach-Jahr 2000 der 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers des Thomaskantors in der Interpretation von Evgeni Koroliov erschienen war, überschlug sich die Presse mit Lobeshymnen. Zwei Jahre hat es gedauert, bis Koroliov nun den 2. Teil vorlegt. Und - um es vorweg zu nehmen - es ist eine ähnlich bestechende Einspielung entstanden. Wer allerdings bei Koroliov etwas Neues, etwas sehr Eigenwilliges oder Anderes zu entdecken hofft, der wird enttäuscht und muss sich an eine der Aufnahmen wenden, die von so vielen, gerade jungen Interpreten als Form der Selbstdarstellung auf dem Markt erhältlich sind. Koroliov ist ein Künstler, der sich immer hinter das Werk zurück nimmt, dies allerdings mit all seinem phänomenalen Können. Koroliov verfügt über eine perfide Anschlagkultur, die jede Nuance von Bachs Ideenreichtum widerzuspiegeln imstande ist. Zudem lässt er sich Zeit, lässt die Musik sich entwickeln, was heute nur mehr selten geschieht. Auf diese Weise kann der Zuhörer das Spiel und die Musik wirklich auf sich wirken lassen, hört Phrasen, die er vielleicht zuvor nicht so wahrgenommen hat.
Akzentuieren ist eines der wichtigsten Begriffe, die in der Interpretation von Bachs Klaviermusik im Vordergrund stehen. Und diese Akzentuierung scheint Koroliov wie natürlich zu verstehen. Genaueste Sforzati, pointierte Wechsel von Forte und Piano beleben sein Spiel. Er erfasst zudem das Werk tatsächlich zyklisch hat man den Eindruck. Denn der Fluss, der beim Hören dieser beiden CDs entsteht, ist fast zwanghaft. Man kann kaum aufhören, diesem genialen Bach-Interpreten immer und immer wieder zuzuhören.
Auch wenn man schon mehrere, auch vielleicht so großartige Einspielungen dieses Werks wie die von Richter in seiner Sammlung haben mag: diese sollte in jedem Fall daneben stehen."

Interpretation: ******
Klang: ******

Piano News, Carsten Dürer, 1/2003

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"Auf dem Olymp"

Was soll daran so schwierig sein? Weshalb sind die zweimal 24 kurzen Stücke, von Klavierschülern ohne Verrenkungen bewältigt, ein solches Gebirge für Virtuosen? Vielleicht gerade weil Johann Sebastian Bachs ′Wohltemperiertes Klavier′ bei Kennern das Alte Testament heißt: Hier kann niemand als Akrobat auftrumpfen; alle - auch die Hörer - sind mit sich selbst und ihrer Musikalität allein. Unzählige haben versucht, das Geheimnis dieses barocken Tonarten-Kosmos aus Präludien und Fugen zu entschlüsseln, die Zahl der Aufnahmen ist Legion. Deshalb, auch deshalb, hat Evgeni Koroliov, der den Doppelzyklus schon mit 17 Jahren in seiner Vaterstadt Moskau aufführte, sehr lange gewartet, bis er ins Studio ging: Wer Tastenlegenden wie Edwin Fischer,Wanda Landowska, Samuel Feinberg, Swjatoslaw Richter, Rosalyn Tureck, Glenn Gould und vielen anderen Konkurrenz machen will, der muss einiges zu bieten haben. Erst jetzt, mit 53, fühlte sich der uneitle Klavierprofessor dem enormen Anspruch gewachsen. Das Ergebnis klingt schlackenlos, fern allem Denkmalkult und doch gefühlsstark. Vorbildlich transparent, aber nie klimpernd stellt Koroliov die Klangcharaktere hin. Denn für ihn folgt das olympische Werk (besonders der zweite Teil mit seiner, so Koroliov, ′reichhaltigeren Kost′) einem fast legeren ′Prinzip der Mannigfaltigkeit′, von anmutig und erhaben bis witzig oder gemütlich. Dafür brauche es keinen eigenwilligen Interpreten, sagt er, sondern schlicht einen ′Spieler′, dem es gelingt, ′mit der Musik eins zu werden′. Leicht gesagt - hier ist es einmal gelungen."

KulturSPIEGEL, Johannes Saltzwedel, 11/2002
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J.S. Bach: Französische Suiten

"Das Mysterium großer Musik"

Die wunderbar wohltuende Ruhe und die liebevoll innige Behutsamkeit seines Spiels, aber auch die analytische Tiefenschärfe und die grenzenlose Ausleuchtung der motivischen Mehrstimmigkeit von Johann Sebastian Bachs „Französischen Suiten“ machen vollends vergessen, dass sich Evgeni Koroliov in dieser grandiosen Aufnahme natürlich eines modernen Steinway und nicht eines historischen Cembalo der barocken Entstehungszeit bedient. Authentisch wirkt seine Annäherung an den Thomaskantor gleichwohl, objektivierend und uneitel dient Koroliov seinem Bach. Dabei wirkt sein Spiel nie distanziert, sondern im wahrsten Sinne des Wortes die Größe Bachs erkennend. Der 1949 in Moskau geborene Künstler und Wahl-Hamburger, der mit großem Erfolg an der hiesigen Musikhochschule die Meister von morgen ausbildet, baut auf leise und auf weise Töne. Er ist dem Mysterium dieser großen Musik auf der Spur. Wo Geist und Tat bei Bach so ideal Hand in Hand gehen, erweist sich Koroliov als ein genialischer Nachschöpfer, der auf vollkommene Weise Denker und Macher zugleich ist. Durchdrungen von des Meisters göttlicher Klarheit des Gedankens begegnen sich in Koroliovs Bach intellektuelles Begreifen und sinnliches Spiel in ihrer wahrlich goldenen Mitte.

concerti, Peter Krause, 4/2008

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Höchstnote "10" für künstlerische Qualität, Klangqualität und Gesamteindruck

Es verwundert nicht, dass Koroliovs bisherige Bach-CDs zu Referenzeinspielungen wurden. Mit größerer Souveränität und Überlegtheit lässt sich der Dschungel barocker Polyphonie kaum durchstreifen. Bei den Französischen Suiten glückt ihm zudem das Kunststück, den Zuhörer gleichsam auf eine transzendente Ebene zu heben.
Wesentlicher Bestandteil des bei aller Kontrolliertheit entrückten Spiels Koroliovs ist sein immenser Erfindungsreichtum im Auszieren der Wiederholungen der einzelnen Formteile. Der Hamburger Klavierprofessor verrät darin seine intime Kenntnis barocken Stilempfindens, das einst in der Improvisationskunst der Opernsänger gipfelte. Sein glasklarer, niemals hart wirkender Anschlag sowie das ihm eigene Talent, übergeordnete Zusammenhänge durch richtige Akzentsetzungen und ein untrügliches Timing kenntlich zu machen, erinnern an den legendären russischen Pianisten Samuel Feinberg. Dessen Bach-Platten aus den 1950er Jahren leiden unter einer mangelhaften Klangqualität. Die Aufnahmetechnik der vorliegenden Französischen Suiten ist dagegen ideal. Im Sinne einer akustischen Lupe trägt sie dazu bei, den Hörer in die Strukturen der Musik hineinzuziehen. Besser als Evgeni Koroliov hätte man auch diesmal bei Bach nicht ankommen können.

www.klassik-heute.de, Richard Eckstein, 14.03.2008

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Koroliovs Bachinterpretationen werden seit Jahren weltweit gerühmt. Die Zeiten, in denen dieser eher unscheinbare, bescheidene Mann ein Geheimtipp war, sind Vergangenheit. Die französischen Suiten sind erneutes Zeugnis für Koroliovs singulären Rang in Sachen Bach. Man muss nur einmal die ersten Töne der c-moll-Suite hören, die nachdenkliche Schönheit und gelassene Kantabilität erleben, mit denen Koroliov diese Allemande auslotet, um eine andere Welt zu betreten. Es ist nicht allein die phänomenale Klarheit, mit der er jede Linie nachzeichnet und jeder Stimme Eigenleben verleiht. Nicht nur den langsamen Sätzen dieser "kleinen" Suiten gewinnt Koroliov eine metaphysische Dimension ab, ohne Bach auch nur ansatzweise zu romantisieren. Eine Offenbarung, auch aufnahmetechnisch.

Partituren, OB, 01.03.2008

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J.S. Bach: Originalwerke und Transkriptionen von Kurtág, Liszt und E. Koroliov
Evgeni Koroliov, Klavier / Duo Koroliov (mit Ljupka Hadžigeorgieva)

"Beflügelt"

Bachs Passacaglia in c-Moll, BWV 582 ist nicht anders denn monumental zu nennen. Gewissermaßen eine orchestral anmutende Phantasie. Das Original ist für Orgel. Evgeni Koroliov hat es transkribiert (man könnte auch sagen: für Klavier registriert) und in eine Fassung für vier Hände gebracht. Ein kühnes Unterfangen, aber ein höchst gelungenes. Die ganze Größe und Vielschichtigkeit des Werks wird evident, vor allem so, wie Koroliov und Ljupka Hadzigeorgieva es interpretieren: beflügelt vom Geist der Polyphonie. Diese hohe Kunst zeigt sich auch in den weiteren Stücken dieser Aufnahme, seien sie Originale oder Arrangements, zwei- oder vierhändig. Ein Genuss.

concerti – Das Berliner und das Hamburger Musikleben, Jürgen Otten, 0111

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"Freies Brennen ohne Flackern"

Faszinierend ist, wie bei Koroliov (teilweise im vierhändigen Zusammenspiel mit seiner Frau Ljupka Hadžigeorgieva) immer wieder die charakteristischen Klangfarben und Register der Orgel hörbar werden. Dabei nimmt die subtile Poesie des unendlich nuancierten Anschlags seinem Spiel nichts von seiner strukturellen Klarheit. Intellekt und Emotion finden glücklich zusammen. Aus "Clavierübungen" werden spirituelle Exerzitien, in denen der Begriff der "Übung" alles Fremdbestimmte, jeden Beigeschmack von Askese und Sich-Plagen verliert. Hier gelingt ein selbstvergessenes Aufgehen in der Musik, eine totale Konzentration, in der sich Disziplin und Lust, Gesetzmäßigkeit und Spontaneität vereinigen: ein freies Brennen ohne Flackern.

Bayerischer Rundfunk, Bernhard Neuhoff, 17.11.2010
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Beethoven: Klaviersonaten op. 101 und op. 106

Wenn Evgeni Koroliov Klavier spielt, dann hat er etwas mitzuteilen. Was er auch anfasst, unter seinen Händen scheint es etwas selbständiges, ja etwas ganz selbstverständliches zu werden. Einmal angefangen zuzuhören ist man wie gebannt und mag sich seinem Klavierspiel überhaupt nicht mehr entziehen. Und so sollte es doch eigentlich auch sein bei einem guten Interpreten, vor allem auf dem mit guten Aufnahmen inzwischen wirklich überschwemmten Tonträgermarkt. Doch das ist schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr. ... Anders bei Koroliov: Sein Beethoven hat Charakter, ist lebendig und vor allem spannend!

...Die Kraft, die andere Interpreten oft alleine durch ein atemberaubendes Tempo mobilisieren, legt Koroliov in die Gestaltung seiner Melodien, freilich ohne dabei langsam zu spielen. Es gelingt ihm vom ersten Ton an, eine ungeheure Spannung zu erzeugen und damit den Zuhörer wahrhaft in seinen Bann zu ziehen, wie es heute längst nicht mehr alle Interpreten schaffen. Eine in jeder Hinsicht hervorragende Beethoven-Aufnahme.

www.klassik.com, Peter Büssers, 4.4.2013
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Chopin: Mazurken

... So schön wie jetzt beim großen russischen Pianisten Evgeni Koroliov war das lange nicht zu erleben. Koroliov hat fantastische Bach-Einspielungen veröffentlicht, Prokofjew, Debussy, Schubert, Schumann in großartigen, tiefsinnigen Aufnahmen vorgelegt. Seine Interpretation der Chopin-Mazurken reiht sich da nahtlos ein. Koroliov spielt diese Musik mit faszinierendem Gespür für Zeit und Rhythmus, im Grunde streng, ohne überzogene Rubati und Verzögerungen, ohne alles Aufgesetzte, Parfümierte, Effektvolle. Ein schlackenloser, nachdenklicher, ganz nach innen gerichteter, tief empfundener Chopin, der sich eben nicht in den Pariser Salons, sondern eher in der Landschaft Masowiens und Kujawiens verliert. Schon jetzt ganz sicher eine der schönsten Chopin-CDs des anstehenden Jubiläumsjahres.

Bayerischer Rundfunk, Oswald Beaujean, 14.10.2009
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C. Debussy: Préludes pour piano ("Les soirs illuminés par l′ardeur du charbon")

"Es gibt gute Pianisten, es gibt grandiose Pianisten, und es gibt Evgeni Koroliov: In jeder Aufnahme setzt der Russe, bislang vorwiegend mit Bach zu hören, Maßstäbe. Bei Debussy tritt er gegen Giganten wie Gieseking oder Michelangeli an – und triumphiert: So ausdrucksvoll-transparent war der wunderbar zwischen Scherz und Ernst schwebende Reigen von Stimmungsbildern noch nie zu hören."

KulturSPIEGEL, 1/2005

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Evgeni Koroliov ist in den letzten Jahren derart intensiv als einer der ganz bedeutenden Bach-Interpreten unserer Zeit im Bewusstsein, dass seine wunderbare Schubert-Einspielung oder die ebenso brillante wie idiomatische Prokofjew-Veröffentlichung darüber fast ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Im vergangenen Jahr deutete der in Hamburg lebende russische Pianist sein Spektrum mit der geglückten Aufnahme von vier Mozart-Sonaten an. Und auch die jetzt erschienene Doppel-CD mit beiden Bänden der Préludes von Claude Debussy - Teil der äußerst verdienstvollen Koroliov-Serie des kleinen Labels Tacet - zeigt nachdrücklich, dass Koroliov eben keineswegs ein Bach-Spezialist ist, sondern einfach einer der ganz großen Pianisten der Gegenwart.

Sein Debussy-Spiel ist von einer faszinierenden Klarheit, besitzt zugleich einen schier grenzenlosen Reichtum an Klangfarben, die Koroliov mit einem unglaublich nuancierten Anschlag, einer minutiös abgestuften Dynamik und einer wie selbstverständlich, fast nebensächlich wirkenden Virtuosität umsetzt. Mit abgeklärter, enorm spannungsreicher Ruhe realisiert Koroliov die großen Klangbögen in Les sons et parfums tournent dans l′air du soir oder die flächige Spannung in La terrasse des audiences und La cathédrale engloutie, ist dem hintergründigen, leicht grotesken Witz des General Lavine allerdings nicht weniger gewachsen. Wer wieder einmal oder auch zum ersten Mal erleben möchte, wie grandios Claude Debussy den Klavierklang revolutionierte, dem ist diese CD wärmstens zu empfehlen. Unserem bisherigen Koroliov-Bild fügt sie eine weitere, höchst spannende Facette hinzu. Und schließlich wartet sie mit der Ersteinspielung des erst Ende 2001 entdeckten Debussy-Prélude Les soirs illuminés par l′ardeur de charbon noch mit einer echten Rarität auf.

Bayern 4 Klassik, Oswald Beaujean, 17.12.2004

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G.F. Händel: Suiten für Klavier – Profil Medien Hänssler

"Pianistisch und klangtechnisch exzellent"

Crescendo, Christoph Schlüren, 7/2008

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"Liebe zur Geometrie "

Nachdem Jewgenij Koroliov erst jüngst bei ‘Tacet’ die Französischen Suiten Bachs eingespielte, hat er nun mit seiner Aufnahme von vier Werken Händels gleicher Gattung bei der Edition Händels in Zusammenarbeit mit dem SWR zeitnah erneut der Klavierliteratur des Barock Referenz erwiesen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch diese Aufnahme offenbart Koroliovs frappierende Fähigkeit, komplexe, polyphone Strukturen in höchstem Maße transparent auszuleuchten. Schon in der d-Moll-Suite HWV 437 legt er dieses hochintelligente, akribisch durchdachte Spiel an den Tag. Geraten auch die berühmte Sarabande und ihre Variationen verhältnismäßig schleppend im Tempo, so dominiert doch über weite Strecken das stilistisch vollendet ausgereifte, messerscharf analysierende Musizieren Koroliovs, der, nebenbei bemerkt, einst Schüler so erlauchter Mentoren wie Heinrich Neuhaus und Maria Judina war.
In der nachfolgenden Suite Nr. 3 vereint er wiederum makellose Durchdringung der Stimmen mit emotional verinnerlichten Momenten, wie etwa in der Allemande und dem Air mit seinen fünf Variationen. Gelegentlich kommen hier zwar dynamische Kontraste ein wenig zu kurz, doch wirkt die Interpretation niemals logisch unterkühlt, man hat niemals das Gefühl einer uninspirierten, schablonenhaften Darbietung. Im abschließenden Presto versprüht Koroliov bei aller formgebenden Disziplin und akkurat gezeichneten Phrasierung jede Menge Spielfreude und Originalität.
In der einleitenden Ouvertüre der siebten Suite bringt Koroliov deren schematische Gegensätze zwischen würdevoller Getragenheit und kraftvollem Elan überaus treffend auf den (Kontra-)Punkt. Eine wunderbar nuancenreiche und mitreißende Dramaturgie entwirft er schließlich in der ausladenden Passacaglia. Auch die musikalische und thematische Vielfalt der achten und letzten Suite rückt Koroliov durchgehend ins rechte Licht.
Ganz abgesehen von Koroliovs brillantem Vortrag, hat er mit dieser Platte auch einen Beitrag dazu geleistet, dem im Schatten seines schier übermächtigen Zeitgenossen Bach zu Unrecht stark in den Hintergrund gedrängten Klavierwerk Händels eine größere Plattform zu verschaffen, die es in Anbetracht dessen, was es dem Spieler abverlangt und an musikalischem Reichtum bereithält, zweifelsfrei verdient hat.
Die ausgezeichnete Tonqualität rundet ein durch und durch in sich stimmiges musikalisches Erlebnis von höchster Ästhetik vollends ab.

klassik.com, Thomas Gehrig, 15.07.2008

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Evgeni Koroliov ist der klassische Fall eines großen, aber offenbar nicht marktkompatiblen Künstlers. Und da er bei keinem Major-Label unter Vertrag steht, ist er dem breiten Publikum viel zu wenig bekannt. Koroliov steht in der russischen Tradition des Klavierspiels. 1949 in Moskau geboren, hatte er noch Unterricht bei der legendären Maria Judina, die in Russland wie eine Heilige verehrt wurde. Seit 1979 lebt er als Professor in Hamburg. Rein materiell dürfte er es also nicht nötig haben, sich publicitywirksam in Szene zu setzen. Aber selbst wenn er es nötig hätte, würde er es nicht tun - ganz einfach weil er ein absolut aufrichtiger und geradliniger Künstler ist. Resonanz fand er vor allem als Bach-Interpret - immerhin hat kein Geringerer als György Ligeti gesagt, er würde Koroliovs Einspielung der Kunst der Fuge auf die einsame Insel mitnehmen und sie dort so lange immer wieder hören, bis er verhungert und verdurstet wäre. Das Schöne ist, dass seine CDs ihre Wirkung auch unter deutlich komfortableren Bedingungen entfalten.

Mit Händel setzt sich Koroliov mit genau der gleichen Sorgfalt und Intensität auseinander wie mit Bach. Er versteht Händels Musik als die große Ausdrucks-Kunst, die sie ist. Natürlich hört man, dass Koroliov aus der russischen Schule kommt. Emotion ist für ihn auch in der Barock-Musik ein Element, in dem er sich so selbstverständlich bewegt wie in der Luft, die wir alle zum Atmen brauchen. Koroliovs Spiel ist romantisch - im Sinne von verinnerlicht -, ohne je zu romantisieren. Dabei verkörpert er zugleich die vollendete Antithese zum Typus des russischen Tastenlöwen: In erster Linie ist er Musiker, erst in zweiter Linie Pianist, seine stupende Technik ist immer nur Mittel zum Zweck. Das Gegengewicht zu Koroliovs unaufdringlicher Emotionalität ist die strukturelle Klarheit seines Spiels. Mit acht Jahren erlebte er das legendäre Moskauer Konzert von Glenn Gould, das hat ihn tief beeindruckt hat. Seit diesem frühen Impuls ist er fasziniert von der Kunst des Kontrapunkts. Auch bei Händel gibt es da einiges zu holen. Koroliov kommt dabei seine ausgefeilte Anschlagskultur zugute. So sinnlich unmittelbar und zugleich so präzise hat er die Filzhämmer unter Kontrolle, dass man das Gefühl hat, er würde die Saiten direkt mit seiner Hand anfassen. Die Distanz, die von der Mechanik, von der komplizierten Apparatur des modernen Klaviers unweigerlich zwischen den Körper des Interpreten und den Klang gelegt wird, scheint aufgehoben. Koroliov kann mit dem modernen Konzertflügel, diesem eigentlich doch ziemlich sperrigen Apparat, atmen und singen. Zugegeben, mit historischer Aufführungspraxis hat wenig zu tun. Doch wo so lebendig und zugleich so spirituell musiziert wird, werden sich nur Puristen daran stören.

www.br-online.de, Bernhard Neuhoff, 14.05.2008

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Der Pianist Evgeni Koroliov taucht in Händels Werk ein. Das Ergebnis: eine werkgetreue, hochsensible und unbedingt empfehlenswerte Interpretation.

Koroliov gehört zu jenen Pianisten, für die das Wort „Leichtigkeit“ nichts besagt. Hört man ihm zu, hat man den Eindruck, eine Welt der Affekte zu entdecken, deren Fremdheit und Rätselhaftigkeit die Musik gleichermaßen ausdrückt. Unter seinen Fingern wird Händel, der selbst mit dem Ernst der Gefühle spielte, zur Verkörperung jenes Prozesses, der fühlbar machen will, was die Sprache zu verflachen droht.
Seit Tagen höre ich diese Interpretation immer wieder, und trotzdem gelingt es mir nicht, ihr Geheimnis zu lüften. Dabei sollte es doch so einfach sein: Die allgemeine Bewegung stimmt immer, der Klang ist wunderschön. Koroliov beherrscht auf beneidenswerte Weise die Form und die Kunst des Phrasierens. Der Kommentar müsste sich also in wenige Sätze fassen lassen. Aber dem steht wohl entgegen, dass es sich hier nicht bloß um eine formal gelungene Interpretation handelt, sondern dass der Pianist gleichsam metaphorisch wiederzugeben versteht, was der Komponist absichtlich verschleiert hat.
Eins muss unbedingt in diesem Werk und dieser Interpretation erwähnt werden: dass es einen Gegenstand gibt, der aus dem Bewusstsein verbannt ist. Händel wird mitunter die Harmoniearmut seiner Klaviermusik vorgeworfen. Diese Kritik ist nicht ganz unbegründet, aber sie vergisst darüber einen viel wichtigeren Aspekt: Der Komponist bedient sich dieser Art Einfachheit, um den Zuhörer in viel verborgenere Regionen der menschlichen Seele zu führen.
Mir schwebt ein Bild vor: ein ruhiges Gesicht, das zwischen Traurigkeit und Freude schwankt. Es ist unmöglich, sich ihm zu entziehen: was es ausdrückt, erfüllt mich. Ähnliches habe ich im Kino erlebt, wenn ein großer Schauspieler jede Distanz überwindet. Aber hier gibt es weder Gesichter noch ein Szenario. Höchstens eine Projektion, die Spur dessen, was ein Pianist, der in den Mäandern einer Musik, die ihm vorausgeht und ihn einnimmt, wahrzunehmen glaubte.
Kurz, es geht hier um die Illusion einer Bewegung, deren Notwendigkeit uns entgeht, die uns aber mittels eines Identifikationseffektes trotzdem anspricht, ohne uns etwas Bestimmtes zu sagen. Ein Missverständnis also, über das wir jedoch das Wesentliche nicht vergessen sollten: Koroliovs Händel ist ein Modell an musikalischer und emotionaler Dichte.

www.arte.tv, Mathias Heizmann, 28.10.2008
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J. Haydn: Sonaten G-Dur HOB XVI/11, F-Dur HOB XVI/23, C-Dur HOB XVI/50, c-Moll HOB XVI/20, Variationen f-Moll HOB XVII/6

Bekannt geworden ist der Pianist Evgeni Koroliov mit seinen Bach-Einspielungen, die mit einstimmigen Lobeshymnen gefeiert wurden. Mit den Haydn-Sonaten demonstriert er zum wiederholten Mal, dass er ein Meister der schnörkellos stringenten Interpretation ist. Es stellt sicher erst gar nicht die Frage, ob für eine angemessene Haydn-Interpretation ein Hammerklavier notwendig ist. Jenseits von überzogener Patina liegt Koroliovs ganz eigenes Haydn-Verständnis, das er mit einem filigran innigen Ton zum Ausdruck bringt. Sein Spiel ist so einfühlsam und unmittelbar, dass es den Hörer gleich von Anfang an gefangen nimmt und ihn – sofern noch nicht geschehen – unweigerlich zum Haydn-Liebhaber macht.

Piano News, Anja Renczikowski, 1/2006

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“Wunder der Gelassenheit“

Die Angst „zopfig“ zu wirken, steckt tief in den Interpreten Haydnscher Klaviermusik. So nehmen nicht wenige die unerschöpflichen kompositorischen Überraschungen zum Anlass, ihrem Spiel die erhitzen roten Wangen der Exzentrik aufzuschminken.
Ein Aufnahme wie diese müssen wir erst wieder hören lernen. Nicht stört die Ruhe, in der Evgeni Koroliov sich dem Kult der Deutlichkeit widmet. Die eigentümlich die Frühromantik vorhausahnenden f-Moll-Variationen bieten in ihrem fantastisch schweifenden Schlusssatz so ein Feld pianistischer Versuchungen. Ein vor motorischer Energie berstende Larrocha findet hier eine explodierende Kadenz, Koroliov aber lässt die Musik fast stillstehen und erlauscht in den Pianissimo-Schattierungen und sich umfärbenden Klangflächen die Welt Schuberts.
Langsam gewöhnen sich unser Ohren an diese Nuancenkunst. Wie ist es möglich, all die nahezu unspielbaren Artikulationsvarianten im Finale-Thema der kleinen F-Dur-Sonate Hob. XVI:23 lebendig werden zu lassen, ohne diese Entdeckung eitel hervorzuholen? Koroliov gelingt es. Doch müsste nicht einem Künstler, der jedes Themengebilde, jeder Verzierung wie ein kleines Geschmeide ausfeilt, darüber die Architektur zerbröseln?
Er beginnt die aufgehende c-Moll-Sonate so versonnen-undramatisch, als provoziere er diesen Zerfall der Ganzheit. Aber etwas Magisches geschieht. Die Reihung erlauchter Episoden wäschst wie von selbst zusammen; wir staunen, was wir nicht alles überhört haben in diesem grausam missbrauchten Stück. Und dann erlaubt sich Korliov in den Adagia-Episoden vor dem Nachsatz und am Ende der Durchführung einen unfasslich kostbaren Moment, an dem die Musik innehält, als staune sie selbst über die Klangschönheit.

Musik: *****
Klang: *****

Fono Forum, Matthais Kornmann, 01/06

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... Da man aber nicht jeden Pianisten ans Hammerklavier zwingen kann, müssen andere Kriterien für die Stimmigkeit einer Version herangezogen werden als diejenigen, die zwangsläufig zum Postulat einer Orientierung am historischen Klangbild führen: Wie viel von der ideellen Substanz eines solchen Stücks vermag der Pianist durch sein Spiel zum Vorschein zu bringen?

Vor diesem Fragehorizont schneidet Koroliov hervorragend ab. Er fesselt den Hörer gleich am Beginn eines jeden Satzes mit einer unprätentiös-besonnenen Exposition des musikalischen Materials: Der liedhaft-kantable Charakter der in Perioden sich entfaltenden, oft schlichten Themen wird niemals verleugnet zugunsten eines bloß äußerlichen Glanzes. Vielmehr beginnt Koroliov die einzelnen Sätze so, als ersinne er die einzelnen Motive im Augenblick des Erklingens; er lädt den Hörer durch seinen nachdenklich-intimen Tonfall dazu ein, die Musik ganz unmittelbar, gewissermaßen an ihrer Quelle mitzuerleben. Solchermaßen vom ersten Augenblick an einbezogen, vollzieht man auch die anschließende motivisch-thematische Verarbeitung des Materials höchst aufmerksam mit, geführt immer von Koroliovs einfühlsam-intelligenter Art des Vortrags mit ihren zahllosen Nuancen auf dynamischer und agogischer Ebene, die einzig dazu zu dienen scheinen, die Logik der musikalischen Verläufe verständlich zu machen. Mit einem Wort: Großartig.

Rondo Michael Wersin, 08.10.2005

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J. Haydn: Sonaten HOB XVI 34, 35, 44, 48, 52 und Sonate Es-Dur HOB deest.

"Koroliovs Haydn ist ein Volltreffer."

Fono Forum, Frank Siebert, März 2010
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W. A. Mozart: Sonaten Es-Dur KV 282, A-Dur KV 331, c-Moll KV 457, Fantasie c-Moll KV 475

Der in Hamburg lehrende, aber weltweit spielende und gefeierte russische Pianist Evgeni Koroliov hat seine ganz speziellen Auffassungen von Mozart. Die gewählten Tempi sind oftmals überaus ruhig, die Spannung seines dramaturgischen Konzeptes aber hängt deshalb nicht eine Sekunde lang durch. Große Phrasen lässt er schwingen, nutzt Zäsuren wie gespannte Federn und modelliert die Themengebilde bemerkenswert klar.
Gerade in der bewegten c-Moll-Sonate KV 457 geraten seine brillanten Läufe ebenso wenig plakativ wie die Kontrastebenen allzu lyrisch. Die Arbeit am und im Detail ist Koroliov allem voran wichtig.

Piano News, Helmut Peters, 3/2007
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S. Prokofjew: Klaviersonaten Nr. 2, 4, 7

Sein Spiel ist von einer klassischen Strenge, Sachlichkeit und Zurückhaltung des Ausdrucks geprägt, die man bei einem russischen Pianisten kaum je vermutet hätte, Swjatoslaw Richter und Emil Giles einmal ausgenommen.
Das Wort Wahrhaftigkeit drängt sich auf. Hier steht der Interpret hinter allem, was der Komponist intendiert. Er, der Interpret, drängt sich nicht auf, es drängt sich die Kunst an sich auf. Und die ist, im Fall der drei ausgewählten Klaviersonaten Prokofjews, nebst einigen überraschenden Wendungen, ein bisschen wie ein klassizistisches Bauwerk: wohl portioniert, fest verfugt und gefügt, von unaufdringlicher Eleganz, stark in den Konturen. Aber sie ist zugleich mehr: Sie ist Gesang der Seele; mal keusche Lyrik, mal versonnene Intimität, und manchmal eben auch Ausbruch der Leidenschaften. Koroliov kann das alles. Sein Spiel, sein Atem: Adler mit weiten Schwingen. Beeindruckend.

Rondo-Magazin, Jürgen Otten, 21.02.2004
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D. Schostakowitsch: Klaviersonate Nr. 2, Präludien op. 34 (Auswahl), Präludien und Fugen op. 87 (Auswahl)

Auch in diesem Fall beweist Evgeni Koroliov seinen untrüglichen Qualitätssinn: Wer Glanzstücke im Solo-Oeuvre Schostako- witschs hören will, findet hier die Auswahl für die einsame Insel. Glasklar gehen Motrorik und Ironie in Melodie auf – vorbildlich.

KulturSPIEGEL, Johannes Saltzwedel, 11/2006
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R. Schumann: Kreisleriana op. 16, Bunte Blätter op. 99, 1 – 8, Kinderszenen op. 15 u. a.

"Verrufene Stelle gehört zu den stark verrätselten, beunruhigenden Stücken der Waldszenen op. 82 und wirkt als Eröffnung einer Schumann-CD ziemlich ungewöhnlich. Und doch führt diese Miniatur gleich mitten hinein in Koroliovs Schumann-Konzept, das sich radikal aller vordergründigen Virtuosität, allem oberflächlich Fließenden verweigert. Tief lotet Koroliov in den Kreisleriana, detailbesessen ist er auf der Suche nach Ecken, Widerhaken, Unvorhergesehenem. Dass ihm dabei der große Bogen niemals aus dem Blick gerät, gehört zu den Geheimnissen dieses bedeutenden Pianisten. Die Kinderszenen klingen wunderbar schlicht, ganz wie der träumerisch huschende Rückblick eines alternden Poeten. Nach dieser CD möchte man wieder einmal zu Schumannns Lieblingsdichter Jean Paul greifen."

Partituren, OB, 01.09.2007

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