François-Joël Thiollier
Klavier

http://www.fjthiollier.com

Rezensionen

François-Joël Thiollier


Frankfurt, Großer Sendesaal des HR

"Planvoll gestaltete Ekstasen"

Angesichts eines kaum zu überschaubaren Repertoires, das 80 Konzerte umfasst, angesichts einer Technik auch, die offenbar keine Schwierigkeiten kennt, musste man eine Demonstration ungehemmter Virtuosität befürchten. Umso erfreulicher, dass diese stets im Dienste einer sensiblen, werkbezogenen Musikalität stand, die selbst die hinreißendsten pianistischen Ekstasen planvoll disponierte.

FAZ, Gerhard Schroth, 14.4.12

__________________________________________________________________________________________________

Passau, Festspiele Europäische Wochen Passau

"So kommt Schwung in die starre Metrik"

Acht Takte reichen als Visitenkarte: ein Thema, eine einfache ländlerische Melodie verheißt ein Klavierrecital von außergewöhnlichem Reiz. Den Händen von François-Joël Thiollier sieht man ihre 69 Jahre an, von denen sie bereits 64 auf den Konzertpodien der Welt zugebracht haben. Dabei präsentiert sich der gebürtige Pariser vitaler und beweglicher als eine ganze Konservatoriumsklasse an Klavierstudenten.
Koboldhaft kauzig poltert er über die Klaviatur, feenhaft schwerelos tupft er feinste Töne von den Tasten. Seiner ungemein differenzierten Anschlagskultur zu folgen, macht mit den Augen soviel Vergnügen wie mit den Ohren, keine Wiederholung klingt wie die vorangehende. Doch was vor allem anderen besticht: Hier sitzt ein Genie des Rubato, jener Kunst, das Tempo eines Musikstückes in feinsten Nuancen zu verzögern oder zu beschleunigen, um der starren Metrik Leben und Schwung einzuhauchen. Allgegenwärtig ist diese Spielweise und doch niemals überzogen oder aufdringlich. Sie adelt Schuberts "Elf Walzer und Ländler" ebenso wie Czernys Walzer-Variationen op. 12 zu Kleinodien und verleiht der Virtuosenakrobatik in Liszts "Soiree de Vienne" oder Tausigs Valse caprice Nr. 2 nach Johann Strauß Sohns "Man lebt nur einmal" tänzerische Eleganz.
Nach der Pause gibt es Musikkabarett mit Erik Saties "Drei ausgezeichneten Walzern von köstlicher Geschmacklosigkeit", die Thiollier nicht nur auf dem Flügel, sondern mitsamt Saties Kommentaren szenisch spielt. "Now back to music": in drei Walzern von Debussy und "La Valse" von Ravel weicht urplötzlich die Heiterkeit, kehren wuchtiger Ernst und elegischer Tonfall ein, scheint der Pianist zu Hause angekommen. Die zarte Poesie von Skrjabins Nocturne Des-Dur für die linke Hand allein als Zugabe lässt den Atem stocken – der stillste Augenblick des Konzertes. Formidable!

Passauer Neue Presse, Tobias Weber, 10.Juli 2012

__________________________________________________________________________________________________

Wuppertal, Historische Stadthalle BAYER Klavierzyklus

"Konzertgenuss im Drei-Viertel-Takt"

Francois-Joël Thiollier zeigte beim fünften Konzert der Reihe die ganze Bandbreite des Walzers auf.
Kurzfristig sprang er für die erkrankte Pianistin Olga Kern beim fünften Konzert des Bayer-Klavierzyklus‘ in der Stadthalle ein.
Aus seinem reichen Repertoire wählt der Pianist das Thema „Walzer“, das sein Programm durchzieht: Carl Czernys Variationen über den Wiener „Sehnsuchtswalzer“ sind weit mehr als die Geläufigkeitsstudien, womit der Wiener Klavierpädagoge Schüler trimmt. Der französisch-amerikanische Pianist liebt die Kontraste „wuchtig-zart“ und setzt verspielte, vertrillerte Parts neben schlagkräftige Akkordik. Auch in der Bearbeitung eines Johann Strauss-Walzers von Carl Tausig stellt Thiollier die leichtfüßige Walzer-Melodie wechselreich neben heftige Schläge und unheilvoll grummelnde gewittrige Klangwolken.

Dass alle Werke schließlich auf Maurice Ravels „La Valse“ hinzielen, macht der Pianist sinnfällig deutlich: Sein orchestrales Wüten lässt um den schönen Flügel im Mendelssohn-Saal der Stadthalle bangen. Der amüsante, oft leicht melancholische Wiener Walzer wird hier ein Tanz auf dem Vulkan, der sich ins Zügellose steigert. Die verqueren Walzer-Elemente verschwinden in rauschhafter Wucht. Apokalypse und Endzeitstimmung verpackt Ravel nach Kriegseindrücken in drastischer musikalischer Form. Beruhigend wirkt danach Claude Debussys klangschöner „Valse Romantique“ mit plätschernd umspielenden Arabesken. In diesem und in den weiteren Debussy-Werken bleibt der Pianist stets geerdet, verliert sich nicht in geheimnisvollen Klangnebeln.

Ganz in seinem Element ist Francois Joël Thiollier dann abschließend bei George Gershwin, der zwar keine Walzer verarbeitet, dafür aber den Blues hat: Seine „Rhapsody in Blue“, ursprünglich für zwei Klaviere geschrieben, stattet der Pianist mit viel Gefühl für den innewohnenden Swing aus. Konsequent spielt er mit sinfonischer Klangfülle und pflegt die jazznahe Gestaltung. Thiollier entlässt sein begeistertes Publikum mit Gershwin-Melodien in den Ohren und auf den Lippen beschwingt in den Abend.

WZ Wuppertal, Veronika Pantel, 25. Februar 2010

__________________________________________________________________________________________________

Wuppertal, Historische Stadthalle

Sinfonieorchester Wuppertal / Ari Rasilainen
E. Grieg: Klavierkonzert

"Sinfoniker entdecken Nordlichter"

Das städtische Orchester spielte am Sonntag unter Ari Rasilainen. In Griegs a-Moll-Klavierkonzert ist ihm Francois-Joel Thiollier ein exzellenter Piano-Partner. Rhythmisch akzentuiert der Solist die virtuosen Passagen, kann sich aber auch nahtlos und bereichernd dem Orchesterklang einfügen. Mit den Solostimmen etwa Oboe, Cello oder Flöte stimmt er gefühlvolle Duette an, zu denen das Orchester samtene Piano-Teppiche legt. Herrlich brilliert er in der Schluss-Kadenz des ersten Satzes. Einen norwegischen Tanz macht man im letzten aus: Liszt´sche Pianistik und volles Orchester schaffen ein rauschhaftes, pompöses Finale. Die Zuhörer lassen den Pianisten nach zwei Zugaben nur ungern gehen.

Westdeutsche Zeitung, 10.März 2008
__________________________________________________________________________________________________

Nürnberg, Meistersingerhalle

Nürnberger Philharmoniker / JoAnn Falletta
G. Gershwin: Concerto in F

"Thiollier als Star des Abends"

Als eigentlicher Star des Abends entpuppte sich der 62-jährigiege Francois-Joel Thiollier. Seit 45 Jahren bereist er die Podien und präsentierte sich wieder einmal sportiv wie deutungstechnisch in Topform. Seine Gesamteinspielung des Klavierwerks von George Gershwin ist ein Meilenstein der modernen Interpretationsgeschichte.
Thiollier beherrscht sensationell selbstverständlich diese schwer zu erreichende Mischung aus swingender Aufmüpfigkeit, elegische Melodien, die aus einer individuellen Stimmung erwachsen sind, und der auch von Gershwin bewunderten europäischen Kompositionsarchitektur. Bei ihm Tanzen die Synkopen, ist das perlende wie das auftrumpfende Spiel immer Teil eines höchst ausdifferenzierten stilistischen Geschmacks. Bravos und zwei Zugaben.

Nürnberger Nachrichten, Jens Voskamp, 3.04.2006
__________________________________________________________________________________________________

MITTELRHEIN MUSIK MOMENTE 2003

Maria Kliegel und François-Joël Thiollier auf Stotzenfels: "Französisches auf Preußenburg"

Frankreich bejubelte ihn im 19. Jahrhundert als seinen eigenen Beethoven, aber dessen Raum und Zeit überdauernden Ruhm sollte George Onslow dennoch verwehrt bleiben. Im 150. Todesjahr des Komponisten eröffneten Cellistin Maria Kliegel und Pianist François-Joël Thiollier mit Onslows Cellosonate Nr. 3 A-Dur op. 16 bei den Mittelrhein Musik Momenten (MMM) ihr ganz französischen Kompositionen des 19./20. Jahrhunderts geltendes Konzert auf dem "preußischen" Schloss Stolzenfels.

Zwei profilierte Interpreten, die es sich leisten können, auf jede übertriebene Demonstration von Virtuosität zu verzichten. Sie gehen eher behutsam zu Werke, sorgfältig, ohne übersteigerte Emotionalität. Da wird beispielsweise romantisches Gefühl bei Onslow ausbalanciert durch einen dialogisch spritzig interpretierten dritten Satz.

Da tritt der Expressivität, mit der das Violoncello die an Kontrasten ohnehin nicht arme
2. Sonate F-Dur op. 123 von Camille Saint-Saëns eröffnet, ein abwechslungsreiches Variationenscherzo gegenüber, in dem Spielerisches ebenso wenig fehlt wie streng kanonisch gebaute Teile. Schön, wie Kliegel - im vorigen Jahr artistic director in residence des MMM-Festivals - und Thiollier harmonieren, gerade auch im zartesten Pianissimo der Gefühl pur aussingenden Romanze, Harmonie, die nie ernsthaft getrübt wird, selbst wenn das Cello ab und zu etwas vorauseilt oder sich das Klavier bisweilen im Lyrischen zu verlieren droht.

Leicht, spielerisch kommt dann der Finalsatz daher, ähnlich brillant gesteigert wie Charles-Marie Widors um zwei Jahre jüngere a-Moll Sonate op. 80. Anders als bei dem sich programmatisch, abgrenzenden Saint-Saëns ist hier die Nähe zum Impressionismus allenthalben spürbar, z.B. in weichen Läufen und perlenden Arpeggios des Klaviers, denen das Cello im Eingangsallegro sprunghaft begegnet oder im Pizzicato anschmiegsam folgt. Dem poetischen Andante schließt sich ein das Vorhergehende resümierender und variierender, temporeich gesteigerter Schlusssatz an, perfekt noch einmal geeignet, interpretatorische Delikatesse unaufdringlich überzeugend auszuspielen.

Für diejenigen, die's offen brillanter mögen, hat schließlich das Duo Kliegel/Thiollier als - angesichts wiederholter Regenschauer doppelt verdientes - Zugabenzuckerl Ravels "Habanera" im Gepäck.

Rhein-Zeitung, Lieselotte Sauer-Kautbach, 28.07.2003
__________________________________________________________________________________________________

STRAUSS BURLESKE MIT DEM GÜRZENICH-ORCHESTER

"Vom Zauber der Jugend"

Es spricht nicht gegen das Orchester, wenn das Schönste an diesem Vormittag die Zugabe des Pianisten war. Da spielte François-Joël Thiollier eine zauberhaft poetische Nocturne von Skrjabin für linke Hand allein, ein Kabinettstück ohnegleichen, bei dem vermutet werden musste, Thiollier gebiete über eine dem gewöhnlichen Sterblichen nicht sichtbare dritte Hand. Entzückt hatte der Künstler im offiziellen Teil schon als Solist in einem Jugendwerk von Richard Strauss, der ziemlich geschwätzigen „Burleske“: variantenreicher Anschlag, frappierende Grifftechnik, gezielte Pointen – meisterhaft.

Kölner Stadt-Anzeiger, Gerhard Bauer, 23.09.2002


„Traum von der blauen Blume“

„...die elektrisierende Interpretation von François-Joël Thiollier...“

General-Anzeiger, 24.09.02

zurück zur Kurzübersicht

Top